Die moderne Zivilisation und ihre fünf Basisverhältnisse – aus der Perspektive der Alchemiethese*

Die moderne Zivilisation insgesamt muss im Gegensatz zu ihrer Glorifizierung als beste aller möglichen, die Fortschritt, Entwicklung, Demokratie und Menschenrechte für alle in Aussicht stellt, als „Zivilisation der Alchemisten“ oder „alchemistisches Kriegs-System“ bzw. zunächst als „kapitalistisches Patriarchat“ beschrieben werden. Diese Zivilisation ist dabei, die Welt buchstäblich zu zerstören und befindet sich im Zustand des Scheiterns. Wir erleben ihn im Moment als „Krise“ (Werlhof 2012).

In dieser Zivilisation, die den bisherigen Höhepunkt der historischen Entwicklung des Patriarchats darstellt, geht es „idealiter“ von Anfang an um die sukzessive Realisierung eines Umsturzes bisheriger zivilisatorischer Ordnungen, ja der gesamten Naturordnung als solcher. Dieses Ziel ist als „patriarchales“ zu charakterisieren, weil damit eine vorher in der Geschichte unbekannte neue Ordnung beschrieben und zunehmend auch praktisch angestrebt wird, die am Ende das Ideal eines „pater arché“ verwirklicht haben soll, nämlich eines durchgehenden „am Anfang ein Vater“. Der Anfang, verstanden als Beginn von allem, dem Geborenen ebenso wie dem Gemachten oder Hergestellten, soll sich damit von allem bisherigen Anfang, der ein mütterlicher – mater arché – oder natürlicher – Mutter Natur – ist, bzw. kulturell davon ausgeht, befreit haben. Denn es geht im Patriarchat als einem utopischen Projekt nicht um eine Ergänzung des bisherigen Schöpfungsgeschehens i. w. S., sondern um seine im Prinzip restlose Abschaffung und gleichzeitige Ersetzung durch eine angeblich bessere männliche Gegen-„Schöpfung“. Die konkrete Utopie der Schaffung einer rein „väterlichen“ Welt jenseits der Mütter, der Natur und der bisherigen Kultur bzw. Zivilisation, insofern sie nicht patriarchal ist, ist demnach die einer durchgängig buchstäblich „patriarchalen“ Zivilisation.

Wenn wir von Patriarchat reden, dann geht es also hier nicht um ein larmoyantes Einklagen von Frauenrechten und ein beleidigtes Mitmachen-Wollen von Ausgeschlossenen. Ganz das Gegenteil ist der Fall, würde doch die „Partizipation“ der Frauen am und im Patriarchat dieses nur noch perfektionieren.

Sondern hier geht es um einen Begriff von Patriarchat, das eine Umwälzung bzw. den Umsturz sowie die sukzessive Transformierung alles ausserhalb des Patriarchats Dagewesenen, Gedachten, Gewollten und Gefühlten und deren Um- oder Verkehrung in ihr Gegenteil bedeutet. Dieses Gegenteil ist zu charakterisieren als ein Denken, Wollen, Fühlen und Handeln, das sich nicht mehr am real Vorgefundenen und seinem zyklischen Werden, Sein und Vergehen orientiert. Sondern es geht nun um die „Schöpfung“ eines davon „gereinigten“, abstrahierten, unabhängigen und zunächst nur „denkbaren“ Seins, also eines, das bisher nur als ein „Jenseits“ des Diesseits vorgestellt werden kann. Dieses neue, angeblich bessere, höhere und göttlichere Jenseits soll durch die Methode der „Alchemie“, nämlich die Zerstörung, Transformation und am Ende restlose Ersetzung des real vorhandenen Diesseits durch ein „Grosses Werk“ schliesslich zur einzigen und ewigen, „paradiesischen“ Wirklichkeit werden. Die Alchemie ist dabei das „Verfahren“, mit dem das „Am Anfang die Mütter“ in ein „Am Anfang die Väter“ verwandelt werden soll.

Dieses, an einer angeblichen Möglichkeit orientierte und die Wirklichkeit feindselig bedrohende neue Denken, Fühlen und Handeln entsteht mit dem Aufkommen von Patriarchaten und entwickelt sich mit ihnen. Es handelt sich um einen historischen Prozess, der nach und nach um sich greift, schneller oder langsamer vor sich geht, Rückschläge und Umwege erfährt sowie zum Teil sehr verschiedene zivilisatorische Ausprägungen hervorbringt.

Dieser Prozess beginnt nicht „evolutionär“, also im Sinne einer kontinuierlichen Weiterentwicklung, sondern mit einem historischen Bruch in Gestalt der Entstehung des Krieges (Dieckvoss 2003). Seit etwa 6000 Jahren sind kriegerische Entwicklungen und Eroberungen zu beobachten (Südosteuropa, Mesopotamien, Persien, Ägypten, China, Indien, Griechenland und Römisches Reich, danach die europäische Kolonisierung der Welt und die Bildung des modernen Weltsystems, heute eine drohende „Neue Weltordnung“).

Mit dem Krieg als zerstörerischer Transformations-Methode entsteht die folgende Etablierung einer ihm gemässen „Ordnung“ im „Inneren“ des eroberten Gebiets. Es ist dies der Staat, der die Herrschaft über die Unterworfenen auf Dauer ermöglicht. Unter diesen Bedingungen werden die unterworfenen Zivilisationen, die im Allgemeinen als „matriarchal“, also als am „Am Anfang die Mutter“ orientiert zu gelten haben (Göttner-Abendroth 1988), nach und nach „patriarchalisiert“, verkehrt, negiert und zerstört.

Das gilt insbesondere für diejenige Praxis, die in dem bereits patriarchalen, Hellenistischen Ägypten als „Alchemie“ bezeichnet wird (Schütt 2000). Die offenbar sehr alte, matriarchale Herkunft der Alchemie als zivilisatorischer Umgang mit den Naturbedingungen, der sich durch mimetische Annäherung und Kooperation innerhalb der „Verbundenheit alles Seienden“ (Werlhof 2010b) charakterisieren lässt, wird nun nach und nach „vergessen“ und in ihr Gegenteil verkehrt. Aus der Kooperation mit der Natur wird ihre geplante Überlistung und schliesslich angeblich mögliche Überwindung sowie die angeblich von ihr selbst gewollte Ersetzung durch eine nicht mehr mütterliche oder natürliche, sondern „väterliche“ und männliche „Schöpfung“. Diese soll die patriarchale Herrschaft legitimieren und auf die Dauer zu einem „reinen Patriarchat“ ohne matriarchale Reste führen.

Eine solche Um- oder Neuschöpfung und die Transformation aller Dinge und Lebewesen hat im Prinzip die patriarchal-alchemistische Zerstörung der vorhandenen Dinge und Lebewesen zur Voraussetzung, die sog. „Mortifikation“. Das alchemistische „Verfahren“ der Transformation beruht auf der Weiterverwendung des Zerstörten – Angeeigneten, Unterworfenen – als „Rohstoff“, die sog. „materia prima“ oder „massa confusa“, und ihre Neuzusammensetzung mit „reinen“ Stoffen, die sie in mehreren Schritten zum „Grossen Werk“ der Alchemie „veredeln“. Das geht von der Schwärzung über die Weissung zur Gelbung und Rötung – in Metallen gesprochen vom Blei über Silber und Gold bis zur höchsten Stufe der Materie als lebendiger, ja dem sog. „Stein der Weisen“, der die Inkarnation der Macht wäre, das Verfahren überall mit einem Schlag, also ohne Zeitverlust durchzuführen. Der „Stein“ würde nichts Geringeres als die „Weltformel“ für die Weltherrschaft bedeuten.

In anderen Metaphern gesprochen geht der Prozess vom Urstoff über die Königin (Mond) zum König (Sonne) und dem daraus hervorgehenden „Kind“ bzw. dem „göttlichen“ Alchemisten als hermaphroditischem „Schöpfer“ selbst.

Auf diese Weise soll die neue und angeblich bessere Welt entstehen. Von den Müttern und Mutter Natur, ihren Zeiten und Zyklen sowie der bisherigen, matriarchalen Kultur und Zivilisation will man sich dadurch nach und nach „reinigen“, befreien und emanzipieren. Denn sie gelten aus patriarchaler Perspektive für unvollkommen, unrein, niedrig, sündig, dämonisch, ja gewalttätig – da mann von ihnen „abhängig“ ist – und für vernicht- und verzichtbar.

Mit den düster-gewalttätigen alchemistischen Verfahren wird in allen Patriarchaten, von Indien und China bis in den Mittleren und Vorderen Orient, wenngleich zunächst minoritär, experimentiert, und zwar im Prinzip in allen Bereichen des Naturumgangs, des Geschlechter- und Generationen-Verhältnisses, der Politik und des Transzendenzverhältnisses. Allerdings wird letztlich immer ihr Scheitern festgestellt. Denn die mutterlose Herstellung des Lebendigen und die Transformation von Blei zu Gold wollen/können nicht gelingen, von der Herstellung des „Steins“ ganz zu schweigen.

Erst, als die Alchemie am Ende des Mittelalters mit den Arabern nach Europa kommt, beginnt ihre globale Erfolgsgeschichte. Das ist neben der Charakterisierung der antiken Alchemie als patriarchaler „Gesamt-Wissenschaft“ die zentrale These der KPT (Werlhof 2010c; Man.).

In der frühen Neuzeit, der Renaissance, beginnt die Karriere der patriarchalen Alchemie, die mit ihrer Integration als Basis-Verfahren und Zielsetzung zum modernen Fortschritt wird. Moderne (Natur)Wissenschaft und Technik, die Maschine, legen die alchemistischen Prinzipien ebenso zugrunde, wie es die moderne Staatsbildung, Kriegführung, Justiz und Bürokratie, das moderne Geschlechterverhältnis, die Klein-Familie und die moderne Ökonomie, der Kapitalismus, tun. Das ist ein bisher völlig neuer – und zur bisherigen Sicht völlig konträrer – Gedanke bezüglich der Entstehung, Charakterisierung und Weiterentwicklung der modernen Zivilisation. Denn diese rühmt sich stattdessen, ältere Verfahren wie gerade die Alchemie als gescheiterte überwunden, erfolgreich hinter sich gelassen und durch völlig neue ersetzt zu haben (Schütt 2000). Nur eine patriarchatskritische Analyse der Alchemie eröffnet daher den „anderen Blick“ auf diese Entwicklung und zeigt, dass sowohl die Ziele, wie auch die Methoden des „Fortschritts“ geradezu klassisch alchemistisch geblieben sind. Es geht nämlich nach wie vor um die angeblich mögliche Herstellung einer „besseren“ und „höheren“ Materie ebenso wie die eines ebensolchen “Lebens“ mittels „Teile, Transformiere und Herrsche“. Dieses generelle patriarchale Motiv und seine methodische Umsetzung sind offenbar so selbstverständlich (geworden), dass sie nicht als solche reflektiert werden (können) und immer (un)bewusst vorausgesetzt werden. Sie gehören damit zum „kollektiven Unbewussten“ der modernen Zivilisation (Werlhof 2013). Als unbedingter „Glaube“ an die männliche „Schöpfung“ und ihre erfolgreiche Durchsetzung sind sie quasi unhinterfragbar. Es ist deshalb so schwierig, die KPT und die ihr zugrunde liegende Alchemiethese als neuen Ansatz zu vertreten und zu verbreiten. Denn da dieser zeigt, dass das patriarchale Projekt der Um-Schöpfung nicht gelingt und auch gar nicht gelingen kann, muss er von allen patriarchal Denkenden und Empfindenden als äusserst schmerzlich und ketzerisch empfunden werden (vgl. My Hanh Derungs 2011).

Für die Übernahme und Weiterentwicklung der Alchemie als der „Methode des Patriarchats“ ist zunächst die Kirche in Aktion getreten, und zwar mit der Inquisition. Zusammen mit dem „weltlichen Arm“, und nach der Reformation auch den Protestanten, war sie die erste moderne Institution, die zwischen dem 12. und 18. Jahrhundert das alchemistische Verfahren verallgemeinerte. Über ca. 600 Jahre lang unterwarf sie Millionen von Menschen und seit dem 15. Jh. insbesondere die Frauen als Geschlecht durch Terror, Verfolgung, Diebstahl, Folter und Mord (Becker u.a.1977, Honegger 1978). Dieser „Mortifikation“, der körperlichen, geistigen und seelischen Brechung der europäischen Bevölkerung (Federici 2004), folgten ihre „Verbesserung“ zu Untertanen im modernen Nationalstaat (Opitz-Belakhal 2006) und ihre Integration als Soldaten, Lohnarbeiter, unentlohnte „Hausfrauen“ und industrielle Reservearmee in die moderne Ökonomie des Kapitalismus (Werlhof, Bennholdt-Thomsen, Mies 1983).

Parallel dazu hatte die Kolonisierung der Welt für die ebenfalls mit ungeheurer Gewalt durchgeführte alchemistische Transformation der „Kolonien“ in Ressourcen für die „höhere“ Zivilisation der Kolonisatoren in Europa gesorgt (Mies 1988). Daraus entstand die moderne internationale Arbeitsteilung als bis heute grundlegendes „Weltsystem“ (Wallerstein 1979).

Heute ist trotz der immer neu entflammenden Gegenbewegungen, etwa in den Bauernkriegen des 16. Jahrhunderts (Zimmermannn 1982), die „alchemistische Moderne“ überall so selbstverständlich geworden, dass kaum jemand sie (mehr) als solche, geschweige denn als Gewaltprojekt erkennt. Dabei hat sie inzwischen die Zerstörung der Natur und alles Lebendigen bis zu deren Zusammenbrechen in aller Welt weitergetrieben und diesen Verlust durch nichts ersetzt, was dieses Namens würdig wäre. Die utopische Kunstwelt des Fortschritts tut zwar so, als sei sie der Beginn eines neuen Paradieses auf Erden, kann aber inzwischen immer weniger verhehlen, dass sie ohne weitere Natur nicht bestehen kann und selbst als Müll ohne Wiederverwendbarkeit, ja als Umweltbedrohung endet.

Das ist der Hinter- und Untergrund der heutigen Krise der modernen Zivilisation als inzwischen globalem alchemistischem Kriegssystem, in dem es nur mehr darum geht, wer die letzten „Ressourcen“ für sich beanspruchen kann – bevor buchstäblich nichts mehr da ist (vgl. TTIP, TPP, TISA). Denn die Geschwindigkeit, mit der die Welt zerstört wird, ist atemberaubend und in nur rund 200 Jahren zustande gekommen (Wright 2006). Würde man dazu im Vergleich die Zeiträume des Erdgeschehens in der Dauer eines Jahres messen, entspräche dies weniger als einer Nanosekunde.

Die Utopie des Patriachats ist längst zur Dystopie geworden, die Alchemie nach ihrem Welterfolg umso mehr gescheitert. Nur dadurch, dass die patriarchale Zivilisation ihren Höhepunkt überschritten und als Folge ihrer extremen Gewalttätigkeit zu kippen begonnen hat, ist sie als endliche überhaupt erkennbar geworden. Das anzuerkennen und daraus Konsequenzen zu ziehen ist die Aufgabe der Zeit. Dazu muss aber erst einmal der Aberglaube an den Fortschritt und die Moderne als beste aller Welten fallen gelassen werden, und das heisst an sie als „alchemistisches Projekt“.

Ohne den Verzicht auf die patriarchale Alchemie in allen ihren Aspekten wird keine Reform an der gegenwärtigen Zivilisationskrise etwas ändern. Nur nach der Alchemie als zivilisatorischem Projekt wird es möglich sein, der Natur und allem noch Lebendigen kultiviert, kooperativ und liebevoll zu begegnen. Eine solche Haltung kann aber in einem Patriarchat nicht generell und dauerhaft ausgebildet werden, weil es sich der Überwindung des Lebendigen verpflichtet hat. Erst wenn dieses Motiv bewusst und bewusst abgelehnt wird, ist der Weg frei für die Wiedergutmachung an Mutter Erde und allen ihren noch vorhandenen Kreaturen.

Ein neuer, der Realität endlich angemessener, nicht mehr verkehrter Blick auf das Heute tut not. Davon wollen wir in BUMERANG immer wieder ausgehen.

Wir schauen nun auf die fünf Grundverhältnisse der modernen Zivilisation als patriachal-alchemistisch-kapitalistischem Welt-System:

Das Naturverhältnis ist das zentrale Verhältnis einer jeden Zivilisation (Genth 2011). Es umfasst im Wesentlichen ihre Ökonomie und Technik. Diese sind von Anfang des Patriarchats an mit dem Andro- bzw. Anthropozentrismus verbunden gewesen, also der Voraussetzung einer Höherwertigkeit „des Mannes“ bzw. „Menschen“ gegenüber allen anderen Naturerscheinungen. Diesen wurde entsprechend „Geist“ und „Seele“ immer mehr abgesprochen und damit eine eigenmächtige Lebendigkeit. Damit war der Weg geebnet für die schliesslich nahezu vollständige Missachtung des Lebendigen, der Erde und aller Lebewesen heute. Sie sind damit ihrer laufenden Annihilation preisgegeben, ohne dass dem bisher Einhalt geboten würde.

Im heutigen Patriarchat geht es beim Naturverhältnis inzwischen nicht nur um die Unterwerfung, Kontrolle und Plünderung, sondern um die irreversible Verwandlung aller lebendigen Natur in „geronnene“, tote Natur: in „Kapital“. Diese „Metamorphose“ geschieht also nicht in Anlehnung an die Natur, die per se die „grosse Wandlerin“ ist, sondern ganz und gar gegen sie und ihre genuine Ordnung. Denn es geht dabei um die systematische „Nutzung“ ihrer Kräfte seitens der Herren und für sie und ihre Zivilisation sowie im Prinzip um ihren „Ersatz“. Durch das extraktiv-„kannibalistische“ Verhältnis zur Natur und zu allem Lebendigen sind sowohl deren Schwächung, wie auf die Dauer auch ihr Vebrauch vorprogrammiert. Die angestrebte Ersetzung der Naturkräfte durch das alchemistische Verfahren der Transformation bis hin zur versuchten Habhaftwerdung der Lebenskraft als solcher mittels des Steins der Weisen ist jedoch nicht gelungen. Diesem Ergebnis des Naturverhältnisses als dem Verschwinden der Welt stehen wir heute überall gegenüber (z.B. Jaeger 2008 im Anschluss an Goethe).

Das Naturverhältnis hat inzwischen eine mehrtausendjährige Geschichte von Versuchen der Naturbeherrschung, -unterwerfung, -kontrolle, –ausplünderung und -ersetzung hinter sich. Schon in der Antike gab es Versuche, die Natur als lebendige Materie künstlich zu erschaffen, um damit ihre angeblich mögliche „Verbesserung“ im Vergleich zu ihrer natürlichen Entstehung zu erreichen (Schütt 2000). Man wollte sich durch ihren „Ersatz“ von ihr als „Mutter Natur“ nach und nach unabhängig machen.

Diese „Alchemie“ diente im Gegensatz zu ihren matriarchalen Ursprüngen der Überwindung der zunächst weiterhin als weiblich und mütterlich geltenden Natur sowie der Frauen als Mütter. Ein patriarchaler Mann sollte idealerweise nicht dem Schoss einer Frau, sondern dem Kopf/Geist/Logos/Schenkel/Penis oder der Rippe eines „Paters“ entstammen. Als Schöpfer der Welt/Natur musste von nun an ein männlicher Gott gelten, der allerdings jenseits der von ihm angeblich geschaffenen Welt stand, die ausserdem weniger vollkommen zu sein schien als er selber (Ernst 2014, Straube 2001). Denn wie sonst hätte man begründen sollen, eben diese Welt neu und als „bessere“ schaffen zu wollen?

Mit der Neuzeit ist das natur- und muttermörderische alchemistische Denken, Handeln und Wollen, das immer wieder gescheitert ist, nicht etwa aufgegeben worden, wie immer behauptet wird, sondern in eine weitere, entscheidende und inzwischen weltweit verbreitete Phase getreten.

Mithilfe der „Entwicklung der Produktivkräfte“ durch die neue Technik der „Maschine“ (Genth 2002), die selbst ein Ergebnis alchemistischen Denkens und alchemistischer Verfahren ist, wie wir entdeckt haben (Werlhof 2010c), wurde die Alchemie zum allgemeinen und nun globalen Programm einer Gesamt-Transformation der Welt in „Kapital“, also einer Verwandlung von „Madame La Nature“ in „Monsieur Le Capital“, wie Marx es nennen würde. Das Kapital erscheint dadurch in neuem Lichte. Es ist Sinnbild, Form und Ausdruck einer mutter- und naturlosen neuen, männergeschaffenen, patriarchalen Welt, die ein zweites und diesmal „ewiges Paradies“, die utopische Zivilisation des reinen Patriarchats, sein oder werden soll. Aus diesem Paradies sind – im Gegensatz zum überlieferten Paradies – der Idee nach alle matriarchalen Reste und „Abhängigkeiten“ von Müttern und Natur erfolgreich vertrieben worden. Es ist ein vom Lebendigen „gereinigtes“, entleertes „Paradies“, das mit leblosen Kunstprodukten angefüllt ist/wird (man denke an Fotos vom mitten in der Wüste gelegenen Las Vegas oder an die Kunstschnee-Herstellung auf den schwindenden Gletschern (Scheiber 2015)), die allerdings als das „bessere Leben“ oder die „bessere Natur“ gelten.

Die dem zugrunde liegende Mütter- und Naturphobie geht weit über die von Max Weber so bezeichnete „Entzauberung“ der Natur hinaus.

Technisch nähern wir uns mit der sog. Entwicklung der Produktivkräfte in Form der „Maschinisierung“ (Genth 2002) diesem Zustand eines buchstäblichen Umsturzes der Naturordnung, samt aller an ihr orientierten Kulturordnungen, in der modernen Zivilisation immer mehr an. Die dabei inszenierte Zerstörung ist also eine „Zerstörung per Verfahren“ bzw. eine „Entwicklung der Destruktivkräfte“.

Diese treten in der Erfindung neuer Militärtechnologien am deutlichsten zutage. Sie bleiben aber nicht auf den Einsatz in erklärten Kriegen beschränkt, sondern werden regelmässig auch ohne ihre vorherige „Konversion“ in friedliche Techniken ins Zivilleben übernommen (etwa verschiedene ABC-Waffen in Medizin und Pharmaindustrie). Sie haben als „Makrotechnologien“ inzwischen sogar zu einer bisher nicht offiziell thematisierten heimlichen Kriegführung (Wetterkriege, Plasmawaffen, Geoengineering) sowie einer zunehmenden Beschädigung der Erde als Planeten insgesamt geführt (Bertell 2013a). Unsere Erde soll dabei offenbar „gezähmt“ bzw. „mortifiziert“ werden, um zur technisch kontrollierbaren „Megamaschine“ „verbessert“ und mit ihren Kräften insbesondere als „Kriegswaffe“ (Bertell) eingesetzt werden zu können. Eine offizielle Diskussion und theoretische Einordnung dieser lebensbedrohlichen Phänomene findet nicht statt, ja wird überall mit allen Mitteln verhindert. Ökonomisch ist das alchemistische Projekt eine profitable Unternehmung geworden, sodass es mit allen Mitteln und von der Gier beschleunigt eine ungeheure Dynamik entfaltet hat. Grundlage dafür waren und sind ausbeuterische und die Akteure sowie ihre Arbeits-Materialien gewaltsam in die „Produktionsfaktoren“ „Arbeitskraft“ und „Rohstoff“/“Ressource“ bzw. Ware transformierende „Produktionsverhältnisse“. Diese reichen an der gesellschaftlichen Basis von der unbezahlten Hausarbeit, Sklaverei, Leibeigenschaft, prekären, „marginalen“ und Zwangs-Arbeit als heute „hausfrauisierten“ Arbeitsverhältnissen und Formen „lohnloser Warenproduktion“ bis zur „proletarischen Lohnarbeit“ als dem sog. „Normalarbeitsverhältnis“, das weltweit gesehen aber nur für eine Minderheit der Arbeitskräfte gilt (Bennholdt-Thomsen, Mies, Werlhof 1983/1992).

Nach und nach wird dadurch alle Natur, einschliesslich der sie Bearbeitenden, über ihre „Mortifikation“, also Unterwerfung und „Tötung“, ohne allzu grosse Kosten in „Kapital“ transformiert. Das bedeutet, dass sie in die angeblich „bessere“ Materie, Arbeitskraft, Ressource und schliesslich das „Grosse Werk“ in Gestalt der Neuzusammensetzung toter Materien zu Ware, Maschinerie und „Kommando“, wie Marx es nannte, also der Verfügung von oben, verwandelt werden. Am Ende mündet die Kapitalbildung in Geld. Das heutige Geld ist als „geldheckendes“ (Marx), also sich selbst vermehrendes, damit das alchemistische Gold und ein „Stein der Weisen“ des Kapitalismus. Nichts ist so generell einsetzbar und schnell wandlungs-wirksam wie Geld. Und nur das moderne, zinstragende Geld erweckt die „reale“ Illusion, dass es ein beliebiges und unbegrenztes Wachstum, ja eine „Fruchtbarkeit“ ausserhalb der Natur geben und sie damit alchemistisch „ersetzen“ kann.

Gerade die moderne Landwirtschaft ist dafür ein weiteres Beispiel, wird doch mit Chemie und industriellen Methoden eine scheinbare Fruchtbarkeit erzwungen, die sich immer mehr von den realen Bodenbedingungen entfernt und diese dabei zerstört. Am Ende steht unausweichlich der Hunger (Shiva 2004 und 2009).

Die „Akkumulation“ des Kapitals beruht dabei auf der gewaltsamen „ursprünglichen“ Akkumulation, alchemistisch gesprochen der „Mortifikation“, also An- und Enteignung, Auflösung und Verwandlung der lebendigen Materie als „Produktionsmittel“ in „Ressourcen“ für die Kapital-Ver-Wert-ung. Das bedeutet, der Gebrauchs-Wert der Natur und des Lebendigen geht in die Kapitalbildung ein und der Natur bzw. dem Lebendigen verloren, die dadurch schon von vornherein als „wertlos“ gelten, obwohl ohne sie gar kein „Wert“ (Tausch-Wert) zustande kommen könnte.

Dieser Vorgang ist aber nicht nur einmal „notwendig“, sondern wird sowohl in, wie auch ausserhalb der Landwirtschaft, wo er begann, ununterbrochen fortgesetzt. Die „fortgesetzte ursprüngliche Akkumulation“, wie wir sie bezüglich der Frauenunterwerfung und –ausbeutung analysierten (Werlhof 1978), ist damit als gewaltsame nicht nur eine historisch einmalige, sondern kontinuierliche Quelle der gesamten Kapitalakkumulation auf allen Ebenen, sowohl lokal/regional (zuletzt Scheiber 2015), wie auch seiner Ausbreitung und seines Funktionierens im Weltmassstab nach (Werlhof 2007). Nur auf diese Weise fliessen dem alchemistischen Verfahren seine ständig benötigten Basismaterien – seine „materia prima“ – für das „Grosse Werk“ zu.

Insgesamt ist erst so zu erkennen, dass die kapitalistische Wirtschaft ohne die moderne Technik, die Maschine, weder zu verstehen ist, noch – auch im buchstäblichen Sinne – es so weit gebracht hätte. Denn beide sind durch das alchemistische Transformationsprojekt miteinander untrennbar zu einer nicht nur ökonomischen, sondern gerade auch technologischen Gesellschaftsformation verkoppelt. Ja, die moderne Ökonomie wird dadurch mehr zum Bestandteil der Technik des alchemistischen Verfahrens als umgekehrt. Sonst wäre sie im Merkantilismus stecken geblieben. Wenn also diese Ökonomie vergehen sollte, dann bleibt ihre Technik womöglich noch bestehen, insofern sie i. w. S. „alchemistisch“ bleibt. Oder: Alchemie gab/gibt es auch ohne Kapital, Kapital aber nicht ohne Alchemie. Das ist der Zusammenhang, der bisher nirgendwo benannt oder auch nur erkannt wird: das patriarchal-alchemistische Projekt ist das grundlegende. Es kann im Prinzip auch über die Moderne hinaus bestehen, so, wie es vor ihr schon bestanden hat.

Wahrscheinlich ist dies ein wichtiger Gesichtspunkt, wenn es um „postkapitalistische“ Bewegungen geht, die nichtsdestotrotz am Patriarchat und mit ihm einer entsprechenden Form von Alchemie festhalten, ohne sich dessen direkt bewusst zu sein bzw. überhaupt bewusst sein zu wollen. Denn, wie wir immer wieder feststellen, die Thematisierung des Patriarchats und seiner Alchemie stossen auf Ablehnung seitens der meisten Protagonisten. Denn vielleicht wollen sie sich solcher Methoden auch nach einer Systemveränderung weiterhin bedienen.

Von hier aus ist daher auch eine umfassende Kritik der Naturwissenschaft als Grundlage der modernen Technik und auch inzwischen fast aller Einzelwissenschaften möglich, die sich tendenziell der modernen Naturwissenschaft immer mehr anverwandeln. Die meisten Naturwissenschaftler(innen) halten ihr eigenes Denken für allgemein gültig und richtig, also verlässlich, objektiv nachprüfbar und letztlich unwiderlegbar. Dabei ist es lediglich „alchemistisch“ und kapital- bzw. patriarchatsgeleitet.

Das bedeutet, dass fast alle Wissenschaft dem patriarchalen „Trennungs-Denken“ (Behmann 2009) folgt, das alle Phänomene voneinander trennt und in abstrakte Kategorien überführt – z.B. „Materie“ und „Geist“ oder „Leben“ und „Tod“ –, um über sie vor allem „quantisierend“ (Wagner 1970) verfügen zu können. Damit wird ein „dialektisches“ oder gar fliessendes Denken in Beziehungen, Zusammenhängen und Wandlungsvorgängen, wie sie alles Lebendige kennzeichnen, verhindert. Die Wahrnehmung des Lebendigen und ein ihm gerecht werdender Umgang werden dadurch blockiert. Die Frage, warum heute „alles kaputt geht“, stellt sich dann gar nicht erst. Sie wird ausgeblendet.

Die moderne Naturwissenschaft enststeht im 16. und 17. Jahrhundert in Europa. Als ihr Begründer gilt Francis Bacon, der die Hexenprozesse seiner Zeit nahtlos auf die Natur übertrug: So wie die Frauen sollte auch die Natur auf die Folter gespannt werden, um ihr ihre Geheimnisse zu entreissen. Heute wird das nur nicht mehr so genannt. Als Alchemist hat Bacon die neue und angeblich bessere Natur als völlige und völlig beliebige Verkehrung und Umgestaltung der Tier- und Pflanzenwelt bis über die Artgrenzen hinweg beschrieben, wie wir sie gerade heute kennenzulernen begonnen haben. Er hat eine utopische, streng hierarchisch-patriarchale Zivilisation mit neuen, endlich gehorsamen und damit „besseren“ Menschen entworfen (Neu Atlantis) und wissenschaftliche Verfahren (Induktion, Deduktion) entwickelt, die bis heute gültig sind (Bacon 1990).

Der zerlegend quantifizierende, mechanistische Zugriff auf die neuzeitlich auch noch als „tot“ definierte Materie, der in seinen Ursprüngen bereits in der antiken Alchemie nachgewiesen werden kann, hat sich damit durchgesetzt. Er ist heute zum Teil selbst da anzutreffen, wo ein neues Verständnis der Natur (Relativitätstheorie, Quantentheorie, Elektromagnetismus, Kosmologie) entstanden ist, und zwar dort, wo es weiter in erster Linie um Naturbeherrschung und Macht über die Natur geht (z.B. im Kernforschungszentrum CERN, Genf, und im Militär in Ost und West).

Man versucht seitdem also, durch das alchemistische Verfahren die allgemeine Macht – und gerade nicht ein davon unabhängiges allgemeines Wissen – über die Natur zu erlangen. „Wissen“ ist damit definiert als das Wissen darüber, wie man Macht über die Natur gewinnt. Dadurch wird am Ende das Handeln gegenüber der Natur und dem Lebendigen gerechtfertigt, und sei es noch so zerstörerisch. Das Wissen, das man braucht, um Macht über die Natur auszuüben, bzw. das Wissen, das die Macht über die Natur hervorbringt, ist am Ende lediglich ein Zerstörungswissen. Es ist nicht „das Wissen“. Ein solches aber würde gebraucht, wenn man diese Zivilisation hinter sich lassen will bzw. muss.

Mann weiss nun, wie mann die Natur „mortifizieren“ und anschliessend, als „materia prima“, für ein „Grosses Werk“ weiterverwenden kann. Dieses sichert dann angeblich die Hervorbringung einer neuen, sogar „besseren“ Materie und Natur.

Im Ergebnis ist auf die Dauer und im Allgemeinen jedoch die Utopie von der „Schöpfung“ aus Machtausübung und Zerstörung immer häufiger und unausweichlicher konfrontiert mit dem Gegenteil, also der Zerstörung durch angebliche „Schöpfung“, die sich demnach als Illusion erweist. Das „Bessere“ entpuppt sich am Ende meist und vor allem auf die Dauer als das Schlechtere (Werlhof 2012).

Das gilt auch für die Ware, das Grosse Werk der modernen Alchemie, im Einzelnen. Sie ist in zunehmendem Masse etwa dem Subsistenz- und sog. Naturprodukt qualitativ weit unterlegen, z.B. im Nahrungsmittelbereich, und vor allem ist sie meist schon nach kurzem Gebrauch nichts weiter als mehr oder weniger giftiger Müll.

Die Macht und das ihr entstammende Wissen über die Natur führen am Ende sogar zu ihrer letztlich irreversiblen Zerstörung. Die Atomtechnik beweist das bisher am deutlichsten, und zwar auch ohne, dass ein direkter Atomkrieg geführt würde. So ist aufgrund der laufenden und z.B. durch die Katastrophe von Fukushima nicht enden wollenden radioaktiven Verseuchung (Caldicott 2014) bereits zu fragen: „Sind wir die letzten Generationen?“ (Bertell 2013b).

Von diesem Resultat her müssten die Natur- und mit ihr alle anderen, daran anschliessenden Wissenschaften damit konfrontiert werden, dass ihr Denken und Verfahren nur vorübergehend anwendbar und „erfolgreich“ waren, langfristig aber gescheitert sind. Es bleibt von ihm nur übrig die Anmassung, die Natur beherrschen und in ihr Gegenteil transformieren zu wollen, weil das Macht und Geld einbringt. Für die Natur bringt es den Tod (Merchant 1987). Sie wird dafür aber nicht nur verbal und begrifflich tot gesagt, sondern auch real buchstäblich ermordet.

Nur ein Wissen, das nicht solchen Interessen entspringt, kann ein vertretbares Wissen sein, und es ist keine Frage, dass es dafür weder patriarchal, noch patriarchal-alchemistisch motiviert sein darf.

Die Wissenschaft von der Natur, die über sie nichts weiss, noch wissen will, was nicht zu ihrer Beherrschung und Transformation beiträgt, wird aber auch dem Nachweis ihrer Schädlichkeit trotzen. Denn sie ist nicht rational im Sinne von vernünftig, sondern nur rational im Sinne ihrer subjektiven Interessen, die nur deshalb als objektiv gelten, weil sie die Interessen der Herrschenden sind. Hier endet die in Anspruch genommene Allgemeingültigkeit dieser Wissenschaft.

Es kann also ein „richtiges“ Wissen von der Natur nur darin bestehen, sie in dem, was und wie sie selbst ist, zu er-kennen und entsprechend mit ihr umzugehen. Dann „jauchzt“ sie, wie mir ein biodynamischer Landwirt versicherte. Dieses kann aber niemals auf der Grundlage eines Hasses auf sie und des Glaubens an ihre angebliche Niedrigkeit, Boshaftigkeit und Unvollkommenheit der Fall sein.

Es muss also auch der Anthropozentrismus im Naturverhältnis, dem sich gerade jetzt nach anfänglichem Zögern auch immer mehr Frauen angeschlossen haben, fallen.

Ein Wissen, das sich aus diesen Voraussetzungen befreit hat, wäre „matriarchal“ zu nennen. Es entsteht dort und dann überall (wieder), wo das patriarchale Wissen wegen der Zerstörungen, die es anrichtet, „objektiv“ nicht mehr weiter vertreten werden kann.

Die bisherigen Resultate des patriarchalen Naturverhältnisses sind die Monopolisierung von Eigentum und Macht sowie die „Blockstruktur“ (Ullrich 1977) von Technik, Wirtschaft und Bürokratie als einem „alchemistischen Kriegs-System“, das dem Paradigma der Maschine folgt und die gesamte Zivilisation immer mehr in ihren zerstörerischen Bann zieht. Das Resultat ist u.a. eine von Natur gereinigte „Materie“ohne „mater“ – die das Ideal des modernen „Materialismus“ ist. Seine Ursprünge sind allerdings viel älter, wie uns die Geschichte der Alchemie zeigt (Schütt 2000). Logischerweise verschwindet nun die Natur. Denn sie ist, um sie zu „ersetzen“, in ihr eigenes Gegenteil transformiert worden, und kann nicht in die Natur zurückverwandelt werden, die sie einmal war. Die mutter- und naturlose Materie, konzipiert als das „Grosse Werk“ der Alchemie, ist stattdessen meist noch nicht einmal wiederverwendbar und reintegriert sich in den Naturkreislauf irgendwann als Anti-Natur.

Auf die Dauer kann die moderne Alchemie als der allgemeine Muttermord und der Versuch, mit der künstlichen männlichen Schöpfung des materiell Lebendigen aus den normalen Zyklen des Lebens auszusteigen, und jenseits von ihnen zu wirken, also nicht beibehalten werden.

Die Regenerationsfähigkeit der Natur ist dabei längst überfordert, und es bräuchte heute bereits zwei bis drei Planeten Erde, um mit dem Naturverbrauch Schritt zu halten. Da es aber nur eine Erde gibt, muss das Naturverhältnis – und nicht nur der Naturverbrauch – völlig neu gestaltet werden.

Die neuzeitliche Alchemie ist trotz und wegen ihres Welterfolgs als „Fortschritt, Modernisierung und Entwicklung“ wie ihre vormoderne Vorgängerin daher zum Scheitern verurteilt, anstatt den „Stein der Weisen“ hervorzubringen, der mit der Erschaffung eines neuen, künstlich gemachten Paradieses überall den utopischen Traum des Patriarchats zur Wirklichkeit für alle Ewigkeit werden lassen soll.

Stattdessen hat diese Alchemie wegen ihres Umfangs als Krieg gegen die Natur, das Lebendige und die Frauen, ja als „Militäralchemie“ gegen den Planeten selber nun aber solche Dimensionen erreicht, dass auch bei einem sofortigen Ausstieg aus diesem Projekt die schon verursachten Schäden das Weiterleben beeinträchtigen. Ein Weitermachen wie bisher führt jedoch unweigerlich, bald und „notwendig“ zum realen „Tod der Natur“, des Lebens auf der Erde und vielleicht ihrer selbst. Dies entspräche sogar der biblischen Prophezeiung vom Vergehen der Erde in ungeheuren Naturkatastrophen, jedoch nicht dem „alchemistischen Traum“ von der dadurch angeblich möglichen Ankunft einer „neuen Erde“ (Projektgruppe 2011).

Die „Notwendigkeit“ des Scheiterns des Verhältnisses zur Natur zuzugeben ist das grosse Tabu der modernen Zivilisation. Denn es würde ihr Ende bedeuten, bevor noch der laufende Zerstörungsprozess selbst dazu führt.

Das Politische Verhältnis im modernen Patriarchat hat die Verwandlung der Gesellschaft in eine „Maschine“ bzw. ein „alchemistisches System“ zum Ziel. Der gesellschaftliche Raum soll dabei „leer“, zeitlos und ohne eigene schöpferische Kraft sein, die er als von sich aus ursprünglich „uteriner“ Raum hat. Als lebendiger und unberechenbarer Raum ist er als zu „mortifizierender“ gedacht. Dabei entsteht gewissermassen der Raum als „leerer Raum“, ein Konzept, das auch die moderne Naturwissenschaft begleitet. Anschliessend soll der Raum allerdings neu und „erhöht“ sowie mit alchemistischen Neuschöpfungen erfüllt erschaffen werden, weshalb alle Patriarchate besondere Architekturen erfinden und auf die Errichtung von auffälligen Grossbauten sowie ingenieursmässige Städteplanungen aus sind. Politik ist eine der „Raumordnungen“.

Politik selbst ist als „alchemistisches Verfahren“ bzw. Politikmaschine organisiert, also als Prozesse des „Teile und Herrsche“, bzw. des „Teile, Transformiere und Herrsche“. PolitikerInnen sind diejenigen, die das Verfahren wie AlchemistInnen zur Unterwerfung und dabei auch Irreführung der BewohnerInnen dieses Raumes anwenden.

Unter den heute herrschenden Bedingungen der Zentralisierung der Macht, der Technik und des Geldes kann das Politische Verhältnis selbstverständlich kein wirklich demokratisches sein oder bleiben, wie uns immer gesagt wird. Die „heilige Ordnung der Männer“ ist, so wie alle Patriarchate, immer mit mehr oder weniger diktatorischen oder totalitären, heute „plutokratischen“ Herrschaftsformen verbunden, die in der Antike nach den patriarchalen Eroberungen matriarchaler Gebiete mit der Despotie und generell dem „Staat“ als zentraler Organisationsform des Politischen entstanden. Der Krieg und das Prinzip des „Teile und Herrsche“ bzw. des alchemistischen „Teile, Transformiere und Herrsche“ als Gewalt einer „Schöpfung aus Zerstörung“ sind letztlich niemals demokratisch legitimierbar. Deswegen geht es in angeblich demokratischen Verfahren auch nie um die politischen Inhalte selbst, sondern nur um das Geld und die Macht, über sie zu verfügen. In echten Demokratien, wie sie etwa die egalitären, herrschaftsfreien matriarchalen Zivilisationen waren, könnte es nie überhaupt dahin kommen.

Dabei ist generell das Herrschaftsprinzip im Oben ebenso wie im Unten immer präsent. Es ist auf allen Ebenen die Voraussetzung für die Herstellung der Bedingungen für das alchemistische Projekt der Schaffung einer „besseren Welt“. Das sakrale und das säkulare Oberhaupt als „herrschender Vater“ oder „Gott-Vater“ und der „pater familias“ sowie der je einzelne Mann gegenüber einer Frau haben entsprechend dieselben Funktionen innerhalb der Hierarchie, was ihren durchgängig patriarchalen Charakter als „System“ der herrschenden Väter – und idealerweise auch ohne sie – noch unterstreicht.

Die von Francis Bacon, dem Begründer der modernen Wissenschaft, verfassten Utopie „Neu-Atlantis“ im 17. Jh. stellt dieses Ideal der patriarchal-alchemistischen „Neuschöpfing“ des gesellschaftlichen Raumes dar (Bacon in Heinisch 2004). Wäre es endlich realisierbar, würde aus dieser Perspektive die Väterherrschaft auch endgültig legitimiert und auf ewig unangreifbar werden. Ein lebendiges politisches Miteinander, wie es etwa Hannah Arendt beschreibt, wäre dann nie mehr auch nur denkbar, geschweige denn erfahrbar (Arendt 1958/2002).

Heute nähern wir uns zunächst immer chaotischeren Herrschaftsformen an. Zerfall und Entmachtung des modernen Nationalstaates und sein Übergang in das internationale System oder den „gescheiterten“ bzw. „rogue state“ werden überall von oben inszeniert. Terror als Politik und die Erzeugung von regionalen sowie internationalen Kriegen und riesigen Flüchtlingsströmen über die ganze Erde sollen gleichermassen den Weg für die Übernahme der buchstäblichen Weltherrschaft, etwa durch eine totalitäre „Neue Weltordnung“ ebnen oder/und münden davor oder danach in neue verheerende Weltkriege (Chossudovsky 2012).

Dieser Weg ist entsprechend schon in seiner Entstehung mit dem Ende scheindemokratischer Restformen, der Entsolidarisierung und Spaltung der Massen nach Parteien, Klassen, Ethnien und Religionen sowie mafiaähnlichen Verhältnissen, Korruption und Erpressung gepflastert. Sie machen aus allen PolitikerInnen im engeren und im weiteren Sinne blosse Lakaien, Sklaven und beliebig austauschbare Rädchen im Getriebe der ferngesteuerten politischen Maschinerie.

Daran können auch „Frauen an der Macht“, also an irgendeiner Stelle der politischen Hierarchie nichts ändern, und einmal dort, wollen sie es auch gar nicht. Im Gegenteil, Frauen in der Politik werden „mortifiziert“ in willkommene Mittäterinnen, die dem Ganzen den Anstrich verleihen sollen, dass auch sie endlich dem Politischen Verhältnis des Patriarchats zustimmen und die Verantwortung für dessen Verbrechen mitübernehmen sowie sich direkt an ihnen beteiligen. Denn es gilt ihnen, den Beweis anzutreten, dass Frauen dasselbe können wie Männer. Dabei ist eines klarzustellen: Im Patriarchat ist „Macht“ im Politischen Verhältnis am Ende immer die Macht über Leben und Tod. Nur, wer wirklich Macht hat, trifft diese Entscheidung. Sie stellt sich immer wieder allein dadurch, dass es ständig um Prozesse der „Mortifikation“ geht, also der Unterwerfung und Einbindung bzw. des Ausschlusses und der Beseitigung von Menschen und deren Zusammenhängen im politischen Raum. Im Krieg, in diversen Ritualen, in der Medizin, in der häuslichen Sphäre, in der Sexualität und im Verbrechen eignen sich entsprechend auch die formell nicht so Mächtigen die Macht als Verfügung über Leben und Tod an. Offenbar wollen Frauen das nun auch.

Es gibt das Ideal einer Herrschaft, die automatisch verläuft, also als Maschine des direkten, auch gewaltsamen Eingreifens von aussen und durch Menschen gar nicht mehr bedarf. Sie würde die Illusion sein, dass auf Herrschaft „verzichtet“ werden kann. Ein entsprechender Weltstaat wäre – im Übrigen genauso wie der gerade entstehende und entsprechend organisierte „Sozialstaat“ – sozusagen der „Stein der Weisen“ des Politischen Verhältnisses im Patriarchat. Er würde suggerieren, dass weder Herrschaft noch Gewalt mehr der Fall sind, weil niemand Konkretes sie mehr ausübt.

Dieses Ideal ist auch typisch fürs Militär, das davon träumt, ohne das „Restrisiko“ Mensch den Krieg allein mit Maschinen durchzuführen, wie es auch zunehmend geschieht (Drohnen; automatische Waffensysteme; Geoengineering, Wetterkriege). Die Verwandtschaft mit dem Politischen Verhältnis in Gestalt der Herrschaft über den Staat ist dabei nicht zufällig.

Lokale Demokratisierungsversuche und egalitäre Verhältnisse wie etwa bei den Zapatisten in Mexiko (Werlhof 1996) oder noch lebenden Matriarchaten (Göttner-Abendroth 2009) sind der alte und neue Ausgangspunkt des Kontinuums im Politischen Verhältnis.

Ihre erfolgreiche Ausbreitung über die Erde ist aber generell im Moment sicher nicht zu erwarten. Denn dafür fehlt es – etwa aufgrund des „Landgrabbing“ – zunehmend vor allem an den ökonomischen Grundlagen für eine entsprechend mindestens notwendige Selbstversorgung. Und es fehlt inzwischen auch oft ein an der „Verbundenheit alles Seienden“ orientiertes Sozialgefüge, das im Norden des Weltsystems historisch zerschlagen und durch den „besseren Menschen“ als im Prinzip vereinzeltes Individuum bzw. die industrielle Massengesellschaft als mortifiziertem, anonymem „Melting Pot“ ersetzt wurde. Dennoch ist es bemerkenswert, dass „das Volk“ immer noch auf Gerechtigkeit, Demokratie, Gleichheit, Freiheit und Wahrhaftigkeit in der Politik besteht. Herrschaft muss sich daher nach wie vor legitimieren und kann sich nicht einfach als selbstverständlich oder gar „natürlich“, wie es am Beginn des Patriarchats Aristoteles vertrat (Aristoteles 2012), voraussetzen. Ganz ist also die Erinnerung an matriarchale Verhältnisse, die eben darin wiederkehren, noch nicht verschwunden. Daran kann immer und überall angeknüpft werden.

Das Geschlechterverhältnis im heutigen Patriarchat ist weder allgemein, noch individuell ohne die Makrostruktur im zivilisatorischen Natur- und Politischen Verhältnis zu verstehen. Es ist ja nicht nur das Geschlechterverhältnis patriarchal-alchemistisch organisiert, sondern die gesamte Zivilisation, als deren Abbild es geregelt ist. Es entstammt den ältesten Zeiten des Patriarchats (z.B. Meier-Seethaler 1992) und zuletzt der frühen Neuzeit mit ihren „Frauen als Hexen“-Verfolgungen (vgl. Daly 1991). Rein psychologische oder verhaltenstheoretische Ansätze, wie sie meist vorherrschen, können das patriarchale Geschlechterverhältnis nicht im Entferntesten erklären, wenn sie es nicht im Zusammenhang der gesamten Zivilisation des Patriarchats betrachten. Im Gegenteil, es muss gefragt werden, inwiefern es unter patriarchalen Bedingungen, die seit Tausenden von Jahren in der einen oder anderen Form das Leben immer mehr – nicht weniger – bestimmen, überhaupt eine davon quasi unabhängige „Psychologie“ geben kann (My Han Derungs 2011). Es wären bestenfalls noch matriarchale Reste im Geschlechterverhältnis aufzuspüren, die als eine Art „zweite Kultur“ (Genth 1996) vor allem aufgrund von Liebes-, Verwandtschafts- und Freundschaftsverhältnissen immer wieder zumindest vorübergehend auftreten können, und ohne die sich die patriarchale Zivilisation wahrscheinlich gar nicht aufrechterhalten könnte.

Jedenfalls ist das Geschlechterverhältnis im Patriarchat mehr oder weniger, heute mehr denn je, geprägt von dem Versuch, die Frauen als Menschen, Arbeitskräfte, Mütter und Geschlechtswesen zu erniedrigen, zu entwerten, diversen Kontrollsystemen zu unterwerfen und generell zu entmachten, also zu „mortifizieren“. Die Lage der patriarchalen Mütter ist eine ausweglose, nur vordergründig stehen ihnen Optionen zur Verfügung (Tazi-Preve 2004). Die Entwicklung geht sogar dahin, in letzter Konsequenz vor allem die Mütter buchstäblich abzuschaffen. Sie sollen durch Maschinen und bis dahin Misch– und Kunstwesen, von der patriarchal verwandelten „guten“ Mutter bis zur „MutterMaschine“ (Corea 1986), Leih- oder künstlich befruchteten, mit Implantaten und ständigen Eingriffen traktierten Teilmüttern als den „besseren“ Frauen und Müttern „alchemistisch“ ersetzt werden (Schmölzer 2005).

Dabei versucht mann zunächst ideologisch, dann programmatisch und schliesslich real die Mutter verzichtbar zu machen. Als ob das möglich wäre, wird die „Wertlosigkeit“ der Mütter und ihrer Arbeit durch ihre Diffamierung als rückschrittlich und durch ihren Charakter als im Wesentlichen Gratisarbeit Leistende schon im Vorhinein bestätigt. Wo nach und nach die Maschine ihren Einzug hält, gibt es keine nennenswert vergütete Arbeit, weil sie die Arbeitenden ersetzen wird oder soll.

Auch als „Noch“-Mütter werden Frauen damit zunehmend in die ausserhäusliche Produktion des alchemistischen Systems gezwungen, in der ihrer Arbeit überhaupt ein, wenn auch meist sehr geringer, Wert zugesprochen wird. Denn die entwertende „Hausfrauisierung“ (Bennholdt-Thomsen u.a. 1983) gilt ja gerade auch ausserhalb des Hauses.

Die durch patriarchale Massnahmen der Unterwerfung und Einbindung in die alchemistische Maschine „verbesserten“ Frauen und Mütter oder Arbeitskräfte sind nach ihrer „Mortifikation“, also ihrer „alchemistischen“ Transformation, dann dort zu suchen, wo sie mit Maschinen zu Cyborgs, also Menschmaschinen kombiniert oder von ihnen ersetzt werden: Arbeits-, Sex- und Gebärmaschinen.

Dieser Prozess ist im „Norden“ bereits durchgängiger der Fall wie im „Süden“, wo zum Teil bzw. gleichzeitig noch mehr die vormodernen, im Prinzip aber ebenfalls alchemistisch gemeinten Formen der Unterwerfung der Frauen gelten.

Das patriarchale Projekt sieht also vor allem den Muttermord in Gestalt der Abschaffung der Mutterschaft und ihre Ersetzung durch i.w.S. maschinelle Verfahren vor, der die Patriarchen von ihrer Abhängigkeit von den Müttern endlich befreien würde. Das ist auch historisch auf vielen Ebenen nachweisbar, in Mythologie, Psychologie und im Rechtssystem (Tazi-Preve 1992). Dazu müssten die Patriarchen allerdings zur männlichen Selbstschöpfung, etwa mit künstlichen Gebärmüttern, Männern mit Uterus oder im Bereich des Post- und Transhumanismus der Roboter und Künstlichen Intelligenz, des Künstlichen Lebens der „life industries“, und der Nano- und Gentechnologie oder des Klonens imstande sein (etwa Rifkin 1986, Schirrmacher 2001).

Die dabei im Moment zu beobachtenden Tendenzen zeigen, dass es gar nicht mehr nur um die nun künstliche Reproduktion der Gattung als solcher geht, sondern längst um ihre Ersetzung durch posthumane Kunstwesen. Nicht nur die Mutter, „der Mensch“ selber steht damit inzwischen zur Disposition. Aber es regt niemanden auf, so sehr ist das alchemistische Denken zur Normalität geworden (z.B. Fritsche 2013).

Das gilt neuerdings und zum Teil auch für den Umgang mit Homo- und Transsexualität, der aus patriarchats- und alchemiekritischer Perspektive ganz anders aussieht als in der gängigen „Pro – Contra“-Debatte. So hat die entsprechende „Szene“ sich längst verändert, und es geht nicht mehr um Sichtbarkeit und Antidiskriminierung, sondern um eine quasi alchemistische Vereinnahmung der ganzen Geschlechterdebatte. Im akademischen Diskurs werden die Women’s Studies mittlerweile nicht nur durch die Gender Studies ersetzt, sondern auch durch die „Sexuality Studies“, wo besonders zu Homo- und Transsexualität geforscht wird. Auf den Gay Parades sind Lesben kaum noch sichtbar. Es geht dabei also schon um die Abschaffung und Neukreierung dessen, was eine Frau und ein Mann sein sollen bzw. können (Tazi Preve 2014). Es gilt öffentlich z.T. inzwischen als fortschrittlich, nicht mehr heterosexuell zu sein. Das neue Ideal des sozusagen „besseren Menschen“ wird vor allem durch quasi alchemistisch in „Auch-Frauen“ verwandelte Männer dargestellt, weniger durch Frauen als „Auch-Männer“. Es geht also inzwischen um den Versuch, Frauen nicht nur als Mütter, sondern auch als Geschlechtswesen für Männer ersetzbar zu machen.

So wird die Mutter in der Homosexuellenehe direkt ohnehin nicht mehr gebraucht, nachdem eine Adoption oder, wie in vielen Ländern, Leihmutterschaft juristisch möglich geworden sind. In Ehen von lesbischen Paaren, wiederum, kann auch die geradezu klassisch alchemistische moderne Technik der künstlichen Befruchtung zum Einsatz kommen. Eine Technikkritik ist daher auch hier nicht erwünscht.

Neben dem Arbeitsplatz und der Politik ist es aber bis heute generell die moderne patriarchale Klein-Familie, in der das Geschlechterverhältnis organisiert ist, indem es dabei seiner bisherigen modernen Hauptfunktion, der alltäglichen Reproduktion des Lohnarbeiters und derjenigen der Gattung überhaupt dient. Diese Art von Familie ist sozusagen der generelle Ort der modernen alchemistischen Menschenproduktion. Es wird dabei im Prinzip so getan, als ob die Mutter-Vater-Kind-Dreieckskonstellation eine Naturgegebenheit und einzige Möglichkeit der Gattungsreproduktion sei, wo sie doch das politische Konstrukt einer patriarchalen Obrigkeit darstellt (Tazi-Preve 2012). Dabei ist es logisch, dass unter patriarchal-alchemistischen Bedingungen die Männer als „Ernährer“ und „Väter“, also zum Herrschen befugt, auftreten, und so, als seien sie selber die „Schöpfer“ der nächsten Generation. Doch ist genau das Gegenteil der Fall – die Kleinfamilie ist der gefährlichste Ort für Frauen und Kinder überhaupt. Denn als Väter und Schöpfer, etwa des Reichtums per Eroberung, gelten ursprünglich die Kriegsherren und religiösen Herrscher, die später sogenannten „Väter der Nation“. Das verweist auf die grundsätzliche Gewaltförmigkeit der gesellschaftlichen Position des Ehemannes und Vaters in der Familie, die mit seiner „Schöpfung“ durch Zerstörung in- und ausserhalb der Familie zusammenhängt.

Erst die Frauenhaus-Bewegung hat die Selbstverständlichkeit der Gewalt gegen Frauen mit Erfolg skandalisiert, wenn auch keineswegs abschaffen können.

Allein die patriarchale Perspektive, dass es letztlich um die Abschaffung des weiblichen Geschlechts und insbesondere der Frauen als Mütter geht, führt zu Verwerfungen und Entfremdungen im Verhältnis von Männern und Frauen, die nicht nur dramatisch, sondern auch unter „bewussten“ Menschen praktisch gar nicht zu vermeiden sind. Denn diese Perspektive ist den Beziehungen im Einzelnen gesellschaftlich „vorausgesetzt“, und wird bereits durch die „Wertlosigkeit“ der Hausfrauen- und Mütterarbeit bestätigt.

Es ist davon auszugehen, dass die Mimesis, also die auch gefühlsmässige Annäherung ans Patriarchat und seine alchemistische Utopie sich im Wesentlichen allgemein durchgesetzt hat, sodass auch die Empfindungen entsprechend geprägt sind (Genth 2002). Diese leiden vor allem auch unter einem Schwund. Es schwindet die Begeisterung für das Wunder des Lebendigen und macht der Vorstellung Platz, dass ohnehin alles schon mehr oder weniger herstellbar, also „Ware“ oder „Maschine“, der Mensch eine Materie, die nicht mehr „von Natur“ ist, aber damit nicht etwa „besser“ und „höher“, sondern eigentlich letztlich geist- und seelenlos ist. Das Wunder des Lebendigen wird immer weniger als Geschenk verstanden und respektiert, sondern als mach- und daher auch tötbar begriffen. In der Reproduktionsmedizin ist dies ein wiederkehrendes Problem. Der „Wert“ kippt auch hier um in sein Gegenteil. Nun ist es der des Lebens selbst.

Auch die bisher beobachtbare Tradition weiblich-mütterlicher Fürsorge für Menschen hat inzwischen gelitten. Es kommt immer mehr zur Verwahrlosung menschlicher Beziehungen im Sinne einer „Kulturlosigkeit“, also dem Verschwinden der „Pflege“ (cultura) des Lebendigen. Es kommt vermehrt zur Ausbreitung der von I. Illich sog. „Schattenarbeit“, die nur mehr eine des Lebendigen verlustig gegangene, letztlich erzwungene und weitgehend verelendete, unsichtbare, meist weibliche Zuarbeit zur öffentlichen männlichen „Schöpfung“ der Waren- und Konsumwelt durch Zerstörung ist (Illich 1982). Unter ihr beginnt nun auch die „Care“-Arbeit zu leiden. Man könnte sagen, sie wird davon „angesteckt“.

Es ist inzwischen unter Frauen eine grössere Entfernung und Entfremdung vom Lebendigen zu beobachten (Frick 2012), auch dem, das sie selbst geboren haben. Manche haben angefangen, auf die patriarchalen Zumutungen damit zu reagieren, dass sie – sozusagen prophylaktisch – schon keine Frauen und Mütter mehr sein wollen. Ihr Programm nennt sich „Gender“ (Bell, Klein 1996) und mündet, umgekehrt zum Alchemisten-Hermaphroditen, in die Frau als „Auch-Mann“. Damit geschieht eine vorwegnehmende Anpassung an die frauen- und mutterlose, also nicht mehr weiblich-schöpferische Geschlechtlichkeit und Gesellschaft, die das Patriarchat ohnehin anpeilt, und bestätigt es darin. Daher wird von dieser Seite die Debatte um Mütter als „politisch unkorrekt“, weil angeblich „rückschrittlich“, ja reaktionär, tabuisiert. Denn unter der alchemistischen Fortschritts-Perspektive des Patriarchats wird es ja bald keine Mütter i.e.S. mehr geben, und die potentiellen Mütter verzichten bereits im Vorhinein auf ihr kreatives Potential als solches. Das führt bis hin zur Gebärmutterentnahme, um die Chancen auf dem Arbeitsmakrt zu vergrössern. Was abgeschafft werden soll, ist damit als Thema gewissermassen schon vorher hinfällig: die Mutter.

Die Gender-Frau will sich nicht mehr um die Re-Produktion des Lebendigen kümmern. Dieses Feld wird Frauen in den Kolonien, Leihmüttern oder gleich der Maschine, also allen Arten von Gen- und Reproduktionstechnologien, inklusive dem „gebärenden“ Mann und anderen perversen Projekten überlassen. Dass die Maschine sich als „Ersatz“ für das Lebendige, die Natur, die Mütter und eine lebensfreundliche Kultur sowie das Geschlecht nicht nur nicht eignet, sondern auf deren Vernichtung beruht, wird dabei gespenstischerweise gar nicht (mehr) wahrgenommen. Ja, jeder Verweis auf diesen Zusammenhang wird als „Essenzialismus“ angeprangert. Moderne patriarchale Frauen haben zunehmend begonnen, das Lebendige und die Natur, ihren Anteil als Leib daran inklusive, zu verlassen, ja, im Stich zu lassen, und sozusagen mit wehenden Fahnen auf die Seite der patriarchalen Männer überzuwechseln. Sie lassen zurück, was auf diesem Weg hinderlich ist. Dabei entsteht die von so genannten „emanzipierten“ Frauen propagierte Behauptung, der weibliche Leib sei eine rein kulturelle Erfindung (Butler 1991). „Theorizing the post-human body“ hiess eine Session auf der jüngsten amerikanischen Women’s Studies Association.

Nun: wenn, dann soll er es erst werden, und zwar als Maschine!

Der Trugschluss dabei ist: Wenn wir nicht mehr zur Natur gezählt werden, entkommen wir ihrem Schicksal, bzw.: ohne Leib keine Leibeigenschaft. Und: Wir wollen lieber Täter als Opfer sein.

Da gerade in der Alchemie das Frauenopfer üblich ist (Eliade 1980), ist es also besser, nicht zu dieser Gattung zu gehören. Die Alchemie und ihre Methode werden aber nicht erkannt oder gar abgelehnt, denn ihr Wirken wird gar nicht bemerkt, oder es gilt als richtig, und es gibt dafür ohnehin keinen Begriff. Aber begrüsst wird die alchemistische Transformierbarkeit des Geschlechts, etwa per Operation.

Es ist dies alles die Antwort auf die Frage, die wir uns in der frühen Frauenbewegung gestellt haben: Was machen Frauen auf die Dauer mit ihren Erfahrungen im Patriarchat? Wie konnte es sein, dass die meisten bis vor kurzem eine offene Gewalttätigkeit als Reaktion darauf fast gänzlich ausschlossen? Was bedeutet es aber, dass auf die Dauer die „Mimesis“ der meisten Frauen ans Patriarchat stattfindet? Heisst das, dass die Gewalt als Möglichkeit des Reagierens von aussen und oben nun immer mehr ins Innere und nach unten vordringen konnte, und nun auch die Frauen im Allgemeinen erreicht hat?

Die Logik der „Gender“-Bewegung, die – wie die Plattform Facebook zeigt – in ein Patchwork von – gezählt 60 (!) – „sexualities“ und die Beliebigkeit der Geschlechtszugehörigkeit, bzw. die alchemistisch-maschinelle Auflösung und beliebige technologische Neudefinition des Geschlechterverhältnisses selbst münden soll, und im Übrigen von oben massiv unterstützt wird, ist nicht die einzig mögliche.

Feminismus bedeutet inzwischen alles und nichts. Im Namen des Feminismus werden Kriege geführt (weisse Männer befreien unterdrückte Frauen in Afghanistan und im Nahen Osten). Mit Hilfe der Gender-Terminologie werden patriarchale Regeln befolgt – die „Feminstin“ Hillary Clinton stimmte bisher allen US-Kriegseinsätzen zu.

Eine weitere Reaktion besteht im Betonen der „Differenz“ (Irigaray 1991) anstatt „Gleichheit“ der Geschlechter, bei der ja immer auch ihre Austauschbarkeit bzw. eine „Geschlechtsneutralität“ gemeint sind.

Die „Differenz“ aber muss, will sie aus der Logik des Patriarchats als alchemistischem Ganzem, aussteigen, und nicht nur neokonservativen oder neopatriarchalen pseudo-„alternativen“ Interessen dienen, ihre Dissidenz zum Patriarchat als „Zivilisation der Alchemisten“ formulieren und praktizieren. Denn sonst würde erneut nur ein Steckenbleiben innerhalb der patriarchalen Voraussetzungen erfolgen (wie z.B. bei Herrman 2006). Diese sehen grundsätzlich ohnehin vor allem diejenigen zwei Geschlechter vor, welche als voneinander getrennte, heterosexuell „reine“ Materien (s. Begründung der Beschneidung) durch den Alchemisten – hier die Kirche in Gestalt des Priesters oder der Staat in Gestalt des Standesbeamten – zum Grossen Werk vereinigt werden, solange die Frauen noch gebraucht werden. Ein von derartigen Interessen und Manipulationen unabhängiges Geschlechterverhältnis kann also nur jenseits auch dieses alchemistischen Grund-Modells entstehen.

Aber da, wo das Patriarchat genauso logisch seine eigene Homosexualität hervorbringt, weil ein patriarchaler Mann unmöglich eine Frau wirklich „lieben“ oder wenigstens ernst nehmen kann, ist also der Ausweg ebenso wenig in Sicht.

Ein nicht mehr patriarchales Geschlechterverhältnis ist also nur ausserhalb eines alchemistischen Denkens und Handelns möglich. Es bleibt offen, wie es aussehen würde. Noch lebende matriarchale Gesellschaften können ein Beispiel dafür sein.

Das Generationenverhältnis im Patriarchat zielt entsprechend nicht darauf ab, die Bindungen zwischen den Generationen ebenso wie die zwischen den Geschlechtern im Sinne einer „Verbundenheit alles Seienden“ zu pflegen und die daraus entstehenden Liebesverhältnisse und gegenseitige Achtung und Verantwortung zu akzeptieren und zu kultivieren. Im Gegenteil, auch hier herrschen Trennungsvorstellungen und -mechanismen vor, die verhindern sollen, dass die natürlichen und kultürlichen Bindungen, die sich zwischen den Generationen wie den Geschlechtern als konkret gewachsene bilden, überhaupt zustande kommen. Es geht dabei stattdessen um die (Zer)Störung dieser Verbundenheit und ihre alchemistische Ersetzung durch die Trennung in abstrakte „Generationen“ und ihre künstliche Neu-Zusammensetzung bei Bedarf. In Platons utopischem „Staat“ ist es schon zu Beginn des europäischen Patriarchats in diesem Sinne bezeichnend, dass den Müttern die Neugeborenen weggenommen und mit andern ausgetauscht werden, damit zwischen Müttern und Kindern nicht eben jene Bande entstehen, die gemeinhin die stärksten überhaupt sind. Denn Frauen sind das Geschlecht, das seine Kinder liebt, wie es da heisst. Diese Liebe soll stattdessen unterbunden werden und dem Staat und seinen Herrschern und Göttern zufliessen. Sogar schon die Zeugung der nächsten Generation soll dabei nicht etwa den Partnern und ihrer Zuneigung selber überlassen bleiben, sondern von oben nach züchterischen und Klassengesichtspunkten angeordnet werden. Eine Liebe zwischen den Eltern ist also genauso wie die zu einem gemeinsamen Kind damit von vornherein nicht vorgesehen. Auf diese Weise tritt der Staat mit seinen Institutionen als klassischer Alchemist in Aktion, der die von ihm seiner Herrschaft unterworfenen und vorbereiteten „Materien“ zum Grossen Werk der Schöpfung zusammensetzt (Platon 1973).

Solche Utopien erinnern u.a. an die futuristischen Experimente mit dem „Lebensborn“ des NS-Regimes. Daraus soll jeweils das bessere und höhere Leben resultieren. Dass das alchemistische Denken und Handeln schon früh an die „Maschine“ erinnert, ist dabei kein Zufall. Es handelt sich vor der Erfindung der Maschine als materiellen Apparats um die soziale oder Gesellschaftsmaschine (Mumford 1977), also von Anfang an um die Maschine als ein gesellschaftliches „Verhältnis“ bzw. eine Theorie und nicht nur eine Praxis (Genth 2002).

Wo allerdings eine solch utopische Situation noch nicht der Fall ist, wird die nächste Generation meist durch eine „2., männliche Geburt“, die Initiation (Mutproben, Prüfungen, Kommunion, Konfirmation, Schulbeginn oder –ende), als „männliche Schöpfung“ vorgestellt.

Nur in matriarchalen Gesellschaften dient die Initiation der Knaben einem anderen Zweck. Sie sollen sich auch vor „Mutter Natur“ als dem grösseren Kreislauf bewähren (Somé 2004), während die Mädchen, wenn überhaupt, dann meist im Zusammenhang mit der Menstruation initiiert werden (Voss 1988).

Mütter und Kinder sind, patriarchaler Maxime gemäss, immer schnellstmöglich voneinander zu trennen (Renggli 1992), bzw. einander zu entfremden, gerade auch heute – sogar schon vor, während und vor allem nach der Geburt. Das gilt als Prinzip auch für Junge und Ältere generell. Als „peer-groups“ der Gleichaltrigen sollen sie miteinander möglichst nichts zu tun haben und schon gar nicht im übergenerationalen Zusammenhang Verantwortung füreinander übernehmen, Lebenserfahrung austauschen, Kultur weitergeben und Liebe zueinander leben.

Letztere wird stattdessen pervertiert und als Pädophilie und sexueller Missbrauch, also als systematische Vergewaltigung von Kindern und Jugendlichen durch Erwachsene, meist Männer, organisiert.

Letztlich ist allein das „Individuum“ unabhängig und abgeschnitten von jeder Herkunft, befreit von der „Heimat“, ohne Bindung und Zugehörigkeit so allein, bedürftig und beherrschbar, wie die patriarchale Zivilisation es anstrebt. Nach diesem Muster funktioniert auch die Kleinfamilie, isoliert vom sozialen Umfeld, die einzelnen Individuen den hierarchischen Verhältnissen im Inneren unterworfen.

Deshalb gilt das Individuum seit der Moderne als der „bessere Mensch“, obwohl er/sie auf eine meist lächerliche und ohnmächtige Figur reduziert worden ist, und er/sie ist angehalten, sich möglichst selbst in die passende Form zu „alchemisieren“, z.B. mit einer besonderen „Identität“ zu versehen (Bedeutung der Mode/n).

Die „Mortifikation“ der familiären, stammesmässigen, dörflichen, regionalen, kulturellen oder heimatlichen Zusammenhänge wurde als bürgerlich-rational-modern im Gegensatz zu feudal-irrational-rückschrittlich ausgegeben. Der „bessere“ Mensch als „egologisches“ Individuum ist unabhängig und „gereinigt“ von diesen „Traditionen“ besser geeignet, um als Rädchen im Getriebe und als überall einsetzbares „Teilchen“ im Grossen Werk zu funktionieren, wie es ja schon bei Platon und nach ihm bei den Utopisten des 17. Jahrhunderts nachzulesen ist (Bacon, Campanella, Morus in Heinsch 2004). Der angeblich „bessere Mensch“ ist also ein Mensch ohne seine soziale Eigenmacht, ja am Ende ohne seine persönliche Eigenmächtigkeit. Aus der typisch patriarchalen anthropozentrischen Perspektive gilt er jedoch als die „Krone der Schöpfung“ und sogar als „homo creator“ oder „transformator“ (Wörer 2013).

Nun wird aber auch dieses In-dividuum, das nicht mehr Teilbare, mit post- oder transhumanen Projekten konfrontiert, die es endgültig dehumanisieren und als „Dividuum“ (Mies 1992) oder „Mensch-Maschine“ (Bammé et al. 1983) der beliebigen Verwendung als Teil des Ganzen zuführen sollen. Im Zuge einer solchen Entwicklung gäbe es dann idealerweise auch keine Generationen mehr, und es träte eine „Generationenneutralität“ – parallel zur „Geschlechtsneutralität“ – ein. Damit hätte man gewissermassen jeden noch vorhandenen Natur- und Kulturbezug getilgt. Die Zeit und ihre Zyklizität würden damit auch in diesem Verhältnis immer mehr beseitigt. Dies ist seit jeher ein Ziel der Alchemie als Hervorbringerin einer u-topischen, also orts-, mutter-, natur-, raum- und zeitlosen Ordnung gewesen.

Vorläufig aber gilt die Attacke den noch ungeborenen, direkt oder indirekt künstlich erzeugten sowie den alten Menschen. Aus der Perspektive eines sich ausbreitenden „alchemistischen Systems“ ist zu erkennen, dass sie auf verschiedene Weise dem Zugriff dieses Systems ausgeliefert werden, um sie beliebig manipulieren, herstellen oder auch „entsorgen“ zu können. Die Diskussion um die Legalisierung der Methoden der „Fruchtbarkeitsmedizin“ sowie des Freitods von alten Menschen sind gerade auch in diesem Zusammenhang zu sehen. Es ist zu befürchten, dass deren Legalisierung zur Legitimierung der Tötung „unwerten“ Lebens (Singer 1994) verwendet werden könnten.

Auf die Dauer gilt: Wer etwas herstellt, und zwar durch „Produktion“, dem gehört es auch, er ist sein Eigentümer. Daher kann er/sie darüber verfügen, und kann es auch legal beseitigen. Das galt in der römischen Antike z.B. schon im Falle der Geburt, über deren Am-Leben-Bleiben der pater familias mit einer Daumenbewegung entscheiden konnte, galt er doch als Hervorbringer des neuen Lebens.

Die neuen Patentrechte auf Leben (TRIPS) geben einen Vorgeschmack darauf, was dies heute bedeuten könnte, wird doch durch das Eigentum an einem Lebendigen dessen Recht auf eine unversehrte oder gar eigenbestimmte Existenz weitgehend abgeschafft (Mies, Shiva 1995). In Gestalt von Sklaverei und Leibeigenschaft kennen wir solche Verhältnisse schon. Sie dienen, auch wenn es sich um Tiere oder Pflanzen handelt, der Fremdaneignung und profitablen alchemistischen Weiter-Verwertung. Damit wird neben dem ökonomischen und technologischen Zusammenhang auch der zwischen den jeweiligen „Generationen“ und ihrer Geschichte tangiert: Er wird abgetrennt bzw. als abtrennbar verstanden.

Ein weitgehender Missbrauch der Generationen als von ihrem Gefüge getrennter ist auf keiner Ebene ausgeschlossen.

Allein die beliebig gewordene Nachnamensgebung lässt ja schon nicht mehr auf zusammengehörige Generationen schliessen. Es ist also gerade auch der Gesetzgeber, der die Auflösung der Generationenzusammenhänge auf allen Ebenen betreibt.

Migranten tragen unbeabsichtigt zu diesem Geschehen bei, indem sie weltweit aus ihren Generationszusammenhängen gerissen werden. Gerade sie aber achten noch weit mehr, als es im Norden seit Einführung der Kleinfamilie üblich geworden ist, auf die Bildung neuer übergreifender Generationenzusammenhänge. Das ist sonst nur noch an der Spitze der Gesellschaft oder im Adel vorzufinden, also da, wo es etwas zu vererben gibt.

Ansonsten achten gerade matriarchale Gesellschaften besonders auf den ungeteilten Generationenzusammenhang, also eine langfristige Zeitordnung, die sich über die Verwandtschaft mit der Mutter und den dadurch gegebenen Bezug zur allen gemeinsamen Gross- oder Urgross-, bzw. Clanmutter sowie zu den Ahnen ergibt. Die Clanmutter ist aufgrund ihrer Lebenserfahrung und –weisheit im kompletten Gegensatz zum Patriarchat auch noch die wichtigste Entscheidungsträgerin im Zusammenleben. Nur auf diese Weise ist auch die Weitergabe von Wissens- und Kulturelementen garantiert, die für die nächsten Generationen, ihre Stärkung und Orientierung von entscheidender Bedeutung sind. Genau das ist aber in einer modernen patriarchalen Gesellschaft, in der alles Neue als das Bessere als alles Alte erscheint, gar nicht erwünscht.

Das Transzendenzverhältnis im Patriarchat ist geprägt vom Glauben an das „pater arché“-Prinzip, also an die angebliche schöpferische Überlegenheit des Mannes und den männlichen Charakter der Schöpfung. Dazu gehört der alchemistische Wunderglaube an die Verbesserung bzw. Herstellbarkeit einer solchen „Schöpfung“ jenseits von Frauen und Natur dort, wo sie noch nicht ausreichend anerkannt oder realisiert wurde, einschliesslich des Glaubens an ihre Erzwingbarkeit und deren Legitimität. Im Grunde handelt es sich beim patriarchalen Transzendenzverhältnis um die Formulierung eines ideologischen Systems, das vom Glauben an die Gewalt als erstem und letztem Mittel ausgeht. Denn nur durch sie kann die angebliche Aufgabe „des Menschen“, das angeblich existierende Himmelreich auch auf Erden zu realisieren, verwirklicht werden. Es ist daher als patriarchale Religion meist mit einem ebensolchen Rechtssystem verbunden, das insbesondere den Widerstand gegen die systemimmanente Gewalt bestraft und damit Gut und Böse vollkommen umgekehrt zum bisherigen matriarchalen Rechts- und Gerechtigkeitsempfinden definiert (vgl. den Codex Hammurabi im 2. Jtsd. v.Chr.). Das Transzendenzverhältnis im Patriarchat ist damit von vorne herein ein ganz real und immanent definiertes und von Sanktionen lückenlos umgebenes Feld.

Das Transzendenzverhältnis weist direkt zurück ins Naturverhältnis. Es ist im Patriarchat entsprechend religiös geprägt von einer Abkehr von allen älteren Formen der Verehrung weiblicher Gottheiten und zyklischer Vorgänge des Werdens, Daseins und Vergehens des Lebendigen als „Verbundenheit alles Seienden“ und seinem Eingebettet-Sein in unsichtbare geistig-seelische Zusammenhänge.

Von der Natur als einem lebendigen Zusammenhang von Materie und Geist-Seele, also dem, wie sie wirklich ist, will mann im Patriarchat aber nichts wissen, da er sich generell dem Zugriff, der Kontrolle und der Beherrsch- sowie der unmittelbaren Transformierbarkeit entzieht. Auf diese Weise wird in allen Patriarchaten von Anfang an eine Trennung von Materie bzw. Körper und Geist-Seele behauptet, um dann mit alchemistischen Methoden diese auch herbeizuführen zu versuchen, quasi als „self-fulfilling prophecy“. So wird vom „reinen Geist“ ausgegangen, der von der Materie abgespalten und erst dadurch als „höher“ denn sie erscheinen soll. Dabei wird der Geist aus seiner weiblichen Form als Geistin (ruah) gerissen und vermännlicht (Straube 2001), etwa als „logos spermatikos“ bei der Er-zeugung oder als „Archeus“ (Paracelsus 1562). Seit Aristoteles gilt der Mann als mit Geist ausgestattet, die Frau als blosse Hülle oder Behälter dafür, als die noch unverzichtbare, aber „passive“ und im Verhältnis zum „aktiven“ Männlichen „tote Mater-ie“ (Treusch-Dieter 1990).

Der Begriff des Leibes, der den Zusammenhang mit Geist und Seele – Liebe, Leben – noch inkludiert, weicht in der Neuzeit dem des Körpers von corpus, der Leichnam, bzw. dem Körper als „Maschine“ (La Mettrie 1985, Descartes 1648). Diese Tendenz begann mit der Inquisition.

Die moderne alchemistische „Produktion“ von Waren bedeutet, so gesehen, die Herstellung einer Materie, die garantiert von jedem Geistig-Seelischen getrennt wurde, in dem sie aus der Tötung und Zerlegung, Auflösung und Zerteilung (Mortfikation) der Natur gewonnen wird. Diesen Vorgang vorwegnehmend wird in der Moderne alle Natur gleich ganz als tote Materie definiert, die wie eine Maschine funktioniert – in die sie im Einzelnen allerdings erst transformiert werden muss.

Auf diese Weise fällt den Menschen heute gar nicht mehr auf, welche Gewalttaten ununterbrochen begangen werden müssen, um zur geist-, seelen- und leiblosen, aber körperhaften Welt zu gelangen (moderner „Materialismus“). Hinter dem Begriff der Natur als totem Mechanismus verschwindet ihre laufende Ermordung als lebendige. Eine Spiritualität ist auf dieser Grundlage also nur in Form der Abspaltung von der „Materie“ und der Thematisierung von Geist-Seele-Zusammenhängen jenseits von ihr möglich. Genau das ist in fast allen Arten patriarchaler Spiritualität der Fall.

Der Versuch, Materie und Geist-Seele wieder oder auch zusammenzudenken, ja, zu –bringen, taucht im patriarchalen Kontext allerdings ausgerechnet mit der Maschine wieder auf. Dieses Paradox ist allein über die Alchemie zu erklären. Denn nachdem alles als „tot“ definiert und kein Begriff des Lebendigen mehr akzeptiert war, dachten ausgerechnet die Maschinenerfinder von der Maschine als potentiellem Lebewesen. Denn genau das war ja ihr Ziel: die „höhere“ Materie bzw. ein mutterloses „Leben“ herzustellen. So waren die ersten Maschinen „Körperautomaten“, hatten also von vornherein den Zweck, als Menschenmodelle und schliesslich Ersatzmenschen zu erscheinen. Das gilt auch für frühe Maschinen wie die „Eiserne Jungfrau“, die aber nicht als Gebär-, sondern als Tötungsmaschine, z.B. in den Kerkern der Inquisition, eingesetzt wurde. Auch alle späteren Maschinen sind eigentlich im Wesentlichen Tötungsmaschinen gewesen, im direkt militärischen ebenso, wie gewissermassen im indirekt militärischen, dem zivilen Bereich. Denn sie sorgen zunächst für die allfällige Mortifikation der Materie und des Lebendigen. Das geht bis hin zur „Maschine der Maschinen“ (Genth 1989), dem Computer als buchstäblicher Tötungsmaschine, der wiederum aus dem Militärisch-Industriellen Komplex kommt. Entsprechendes gilt auch für die Weiterentwicklung des Computers in Gestalt des Internet und multipler anderer Anwendungen im zivilen Bereich, gerade und anscheinend paradoxerweise auch dem der Herstellung „künstlichen Lebens“ (AL) als einem der Gebiete, in denen die jeweiligen militärischen Erfindungen weiterverwendet werden (Bertell 2013a). Es handelt sich um eine allgemeine Militarisierung – die sog. „weaponization“ oder „Ver-Waffnung“ – des Zivilen und nicht um eine gelungene „Konversion“ von Rüstungsgütern in zivile oder von Tötungsmaschinen in wirkliches Leben schaffende.

Damit eignet sich die zivile Welt immer weniger – und nicht mehr – für die Bildung von echten Alternativen. All das ist für das Transzendenzverhältnis von Interesse, weil es die bisherigen Begriffe von Leben und Tod vollkommen umwirft, und den Zusammenhang zwischen ihnen nicht nur leugnet, sondern aktiv auseinanderreisst bzw. auflöst. Denn in der Alchemie wird „der Tod gebracht“ und das Leben „gemacht“. Der Tod als „Grosser Gott der Seele“ (Hoffmannsthal 1893) oder gar als „Todin“, eine Grosse Göttin des zyklischen Geschehens zwischen Leben und Tod, Tod und Leben, ist hier gewissermassen abgeschafft. Dabei hat gerade die vormoderne Alchemie an einer Form der „Spiritualität“ und Religiosität festgehalten, die zwar patriarchal war, aber immer noch die Anwesenheit des Geistig-Seelischen als von sich aus Seiendem mitzudenken bemüht war (Schütt 2000). Das wird ihr ja immer noch entweder zugutegehalten oder als „Aberglaube“ kritisiert. Erst die moderne Rationalität und die Maschine haben diese „Relikte“ aus der Geschichte der Alchemie getilgt, ohne die Letztere aber als solche zu verwerfen.

Das ist ja unsere Entdeckung gewesen (Werlhof Man.), weshalb wir die Anwendung der Alchemiethese der KPT auf die heutige Zivilisation, ihre fünf zentralen Verhältnisse und ihre „Krise“ vorschlagen.

Heute ist – neben der Maschine als Tötungsapparat – aber die gesamte „life industry“, u.a. als „synthetische Biologie“ dabei, typisch alchemistisch „Leben zu machen“, wobei dieses Leben immer aus dem Tod, bzw. dem Töten „gemacht“ wird, und am Ende das als „Leben“ ausgegeben wird, was dabei herauskommt (Venter 2010). Es ist das entsprechend sog. „AL“, Artificial Life, das Künstliche Leben. Dieses Leben hat allerdings mit dem sonstigen Lebendigen nicht mehr viel gemein. Es ist eben die angeblich „lebendige“ Maschine oder/und eine „Zusammensetzung“ aus Lebendem und Nicht-Lebendem, z.B. in Gestalt des genetisch modifizierten Organismus (Engdahl 2013).

Wenn es das Ziel der Alchemie ist, die bessere Materie und das bessere Leben herzustellen, also wie und als „Gott“ zu handeln, dann wird das hier so deutlich und direkt, materiell, generell und massiv angestrebt, wie noch nie in der Geschichte. Und wenn es mit dem normalen Leben und der normalen Materie nicht klappen, oder weil man sie ohnehin nur als „neue, bessere“ erschaffen will, dann ist es die Maschine, die als künstliches Leben das bisherige ersetzen soll. Da weiss mann plötzlich, was es ist, das mann produziert: „Leben“, und sei es ein Bakterium, eine Nanomaschine, ein neu zusammengesetztes Gen, eine Chimäre (Bizzarri 2012) bzw. ein „Cyborg“-Mischwesen oder ein Roboter, ja ein neues subatomares Teilchen, das durch eine atomare Explosion (Calidcott 2002) oder deren Imitation, etwa im Atomforschungszentrum CERN (CERN 2012), stattfindet. Hier wird der perverse Zusammenhang von alchemistischem „Leben Machen“ und/als Töten am klarsten. Da ist dann auch die Frage berechtigt, wo denn nun der Aberglaube ist.

Der „alchemistische Wunderglaube“ an die eigenen „Schöpfungen“, wie die Ware, die Maschine, die artübergreifende Chimäre, die Hierarchie und das Geld, also das Kapital, als der angeblich bessere Ersatz für das von den neuen Schöpfern schon gar nicht mehr benannte Natur-Lebendige ist an systembedingter Irrationalität sicher nicht mehr zu überbieten.

Man/n arbeitet am ultimativen Triumph der Alchemie als einer Methode der Überwindung des Todes und des Lebens sowie ihrer beider „Neuschöpfung“, z.B. auch als Vermischung zu einem Nicht-Leben. Die Tatsache, dass kaum jemand vom Grauen erfasst zu werden scheint, der damit arbeitet oder sich damit beschäftigt, zeigt, wie selbstverständlich alchemistisches Denken, Fühlen und Handeln unter uns ist. Dabei wird die typisch patriarchale Abspaltung des Geistig-Seelischen generell für normal gehalten und entsprechend praktiziert, bei den eigenen „Schöpfungen“ aber hinterher wieder „hineingeholt“, als ob das möglich wäre. „Wir sind Gott“, soll Craig Venter nach der Erfindung eines künstlichen Bakteriums gesagt haben (Venter 2010). Damit ist das neue Transzendenzverhältnis der modernen Zivilisation bzw. sein Ziel charakterisiert.

Historisch gesehen hatte die lebendige „organische Ordnung“ des Mittelalters in Europa der toten „mechanischen Ordnung“ der Neuzeit zu weichen (Merchant 1987). Auch die erd-spirituelle, geistig-seelische Ordnung der Natur und des Planeten als kosmischem Lebewesen, die „Kosmovision“ eines matriarchalen „Alt-Europa“ (Gimbutas 1996), wurde dabei „geschleift“.

Dazu trugen auch schon auf ihre Weise die neuen „Magier“, Neuplatoniker, Okkultisten, Vitalisten, „Weltseele“-Anhänger, Geheimbündler und Kosmologen – wie Paracelsus – und „lateinischen“ Alchemisten seit der Renaissance bei (Seligman o.D.). Sie versuchten zwar noch, das Unsichtbare weiterhin ernst zu nehmen, dies jedoch gerade auch auf patriarchal-alchemistische Weise. Es ging u.a. darum, des Unsichtbaren bzw. Geistig-Seelischen sozusagen als „Stein der Weisen“ habhaft zu werden, bevor die Beschäftigung mit den fraglichen Bereichen in Naturwissenschaft und Mainstream-Philosophie zunächst vollständig ausgegrenzt wurde. Dabei wird die Existenz eines Geistig-Seelischen selbst sogar bezweifelt, ausser vielleicht beim Menschen (Descartes 2001) – zumindest als Mann gesehen. Die Natur gilt nur mehr als blosser Mechanismus – als Maschine, die damals allerdings noch nicht (wieder) als „begeistet“ oder belebt vorgestellt wird. Das ist erst dann der Fall, als nach der Auffassung der Natur als Maschine nun auch die Machine als „Natur“ gilt (Genth 2002).

Umso bezeichnender ist das Zurückholen des Unsichtbaren, Lebendigen, Geistig-Seelischen und „Göttlichen“ in die Debatte, und zwar dann, als es zu gelingen scheint, das alchemistische Programm und Projekt wirklich zu realisieren. Auf diese Weise kommt die Alchemie quasi zurück zu ihrer „Spiritualität“, allerdings in einer Gestalt, die nichts mehr mit der vormodernen zu tun hat. Die Alchemie berücksichtigt damit nicht mehr oder erneut die früheren Formen der Spiritualität, sondern erfindet nach der Absage an sie ihre eigene. Sie ist gewissermassen der „Geist, der aus der Maschine kommt“, ein neuer „deus ex machina“.

Den hat es bisher noch nicht gegeben, und nur die Alchemiethese erklärt, wo der herkommt, falls er herkommt. Nichts kann jedenfalls einen Maschinenbegeisterten mehr beleidigen als der begründete Zweifel an der Lebendigkeit seines Geräts. Dieser geradezu irrationale „Idealismus“ mitten im seelen- und geistlosen modernen Materialismus ist im Falle der Maschine, aber auch der Ware generell – und sei sie noch so ungeniessbar, qualitätslos, vergiftet und kurz-„lebig“ – nur durch den nach wie vor ungebrochenen Wunderglauben an die „Höherwertigkeit“ der alchemistischen „Schöpfung“ erklärbar.

In den Gefilden des „Schwarzmagischen“ und der in Patriarchaten immer existierenden Geheimbünde hat der Umgang mit spirituellen Kräften als Möglichkeit für eine absichtlich negative Beeinflussung von Menschen und Situationen neben der rationalistischen Leugnung solcher Bereiche immer stattgefunden (vgl. Wolf 1998). Gerade auch die nicht öffentlichen alchemistischen Praktiken, wobei diese ja ohnehin immer einen irgendwie düsteren Charakter haben, gehören dazu (z.B. die meist nachts stattfindenden Organtransplantationen – Baureithel, Bergmann 1999 – und bestimmte Rituale, die von den nächtlichen Fackel-Aufmärschen in den Stadien der Nazis oder beim Ku-Klux-Klan bis zu Opferritualen in heutigen Geheimgesellschaften gehören).

Gerade in der Alchemie hatte sich noch lang der Zugang zum Immateriellen erhalten, wie etwa – eher meditativ – in der „spirituellen“ Alchemie (vor allem in Indien und China, z.B. Porter 1993) oder – vielmehr zupackend – im sog. „Frauenopfer“, das gebracht wurde, wenn etwa der Schmelzvorgang der Metalle nicht gelingen wollte. In diesem Falle wurde die Frau oder „soror mystica“, die mystische Schwester, des Schmiede-Alchemisten zu den Metallen in den Ofen geworfen, damit das Werk gelang (Eliade 1980). Denn von Natur aus ist nur das Weibliche zur Schöpfung befähigt, und wo eine solche den Männern nicht gelang, griff man zum letzten Mittel, um sie doch noch zu erzwingen.

Diese Art von Denken und Handeln gehört nicht nur der Vergangenheit an. Es wurde seit den „Hexen“-Verfolgungen lediglich ergänzt.

Esoterische, spirituelle und religiöse Strömungen sind im Patriarchat auch heute nie positiv am Irdischen, an „Mutter Erde“, am materiell Lebendigen sowie dessen Verbundenheit mit dem „Geistig-Seelischen“ orientiert. Von einer solchen „Verbundenheit alles Seienden“ halten sie gerade nichts, ja, dieses gilt als von „Satan“, dem Niedrigen, dem „Bösen“ etc. kontaminiert.

Das hat sich auch nicht dadurch geändert, dass die Erde und das Leben auf ihr inzwischen materiell ebenso wie geistig-seelisch schwer beschädigt werden und aufs Äusserste bedroht sind. Ja, diese Beschädigung wird von manchen als quasi gnostischer Weg in eine angeblich „bessere und höhere“, Gott nähere Welt und Überwindung des materiellen Lebens im irdischen „Jammertal“ gefeiert – so als gäbe es eine Alternative zum auch körperlich-leiblichen Leben auf Erden, und so, als sei die Erde notwendig ein Jammertal. Die esoterische Betonung des Immateriellen, sog. „Geistigen“ und „Seelischen“, beruht ja stattdessen auf der definitorischen Trennung von Geist und Materie, anstatt ihrer Zusammenschau – das neue Zusammendenken von Geist, ja Seele und Maschine (Kidder 1982) einmal ausgenommen. Dabei gilt, echt patriarchal: nichts wie weg von der Erde, nichts wie weg vom irdischen Leib.

Das wird auch trainiert durch Askese und Entsagungen aller Art. Vielleicht soll damit das Ideal von „Christus Lapis“, Christus als „Stein“, dem von Materie unbeschmutzten jenseitigen, von Gott, nicht mehr Maria, geschaffenen „reinen Leib“ Jesu zu erreichen sein. Denn dieser Leib ist zwar Leib, aber keiner der irdischen Materie mehr – bzw. dies erst im Sakrament der wiederum typisch alchemistischen „Transsubstantiation“ in Leib und Blut Jesu. Diesen Leib hat Jesus, klassisch alchemistisch, erst nach seiner Mortifikation am Kreuz und nach der Auferstehung zum höheren Leben, seiner „2. Geburt“ im Jenseits erlangt.

Der heutige Guru einer spirituellen Bewegung wird sich also als ein solcher „Stein der Weisen“ für die „Veränderung und Verbesserung der Welt“ ausgeben, die an den ohnehin schon laufenden Veränderungen und angeblichen Verbesserungen, die ihr das alchemistische Projekt zumutet, bereits in die Knie geht. Anstatt also zur Beendigung dieses Projektes aufzurufen, ist patriarchale Spiritualität damit beschäftigt, die Konsequenzen dieses Projektes als Möglichkeit für einen „Himmel auf Erden“ zu glorifizieren, als eben diejenige Realisierung des angeblich existierenden Jenseits im Diesseits, die alle Alchemie verspricht. So ist patriarchale Esoterik unmittelbar Teil des alchemistischen Projektes.

Die esoterische Kritik am modernen Materialismus richtet sich also nicht in erster Linie gegen die Alchemie als Projekt der Hervorbringung einer in der Tat geist- und seelenlosen Waren-, Maschinen- und Geldwelt, sondern ausgerechnet gegen die materielle Erde, sozusagen den Boden unter unseren Füssen sowie unseren irdischen Leib, die beide unter der Wucht des alchemistischen Zugriffs nachzugeben beginnen. Anstatt sich also gegen die laufende Zerstörung der Natur in allen Bereichen zu wenden, wenden sich die patriarchale Spiritualität und Esoterik wie die Religionen ebenfalls gegen die Erde und ziehen damit am selben Strang der Vernichtung.

So ist nur aus matriarchaler Sicht gewährleistet, dass das Wunder des Lebens, seine Beseeltheit und sein Geist gerade im materiell Lebendigen hervortritt, welches die Ausnahme innerhalb eines unsichtbar bleibenden „geistig-seelischen“ Geschehens von universalen Ausmassen ist. Dass dies aber umgekehrt definiert wird, nämlich als Niedrigkeit und Unvollkommenheit des materiell Lebendigen, ist auf diejenigen zurückzuführen, die das materiell Lebendige nicht hervorbringen können, und das Immaterielle – bzw. ihre alchemistischen Hervorbringungen – als das Höhere und Wichtigere behaupten (vgl. Treusch-Dieter a.a.O. zu Aristoteles’ Zeugungstheorie). So gilt in allen patriarchalen Religionen der Schöpfer als höher und vollkommener als seine Schöpfung (Ernst 2014). Sehen wir Materie und Geistig-Seelisches aber in unaufhörlicher Verbindung und die irdische Materie als die daraus hervorgehende Schöpfung, ohne die das Geistig-Seelische gar nicht zum unmittelbaren Ausdruck als Lebendiges käme, dann entbehrt diese spaltend-dichotomisierende, also bewertende und in ihrem Charakter nekrophile Hierarchisierung jeder Logik und vor allem jedes Sinns.

Die Geburt als eine Wiedergeburt und der Tod als Eintritt in eine Phase davor sind seit der Neuzeit undenkbar geworden, weil zwischen Leben und Tod als Sphären keine rhythmisch-zyklische Verbindung mehr gesehen wird. Die Alchemie hat dieses Problem aber anders gedeutet, weil sie nicht auf Leben und Tod wartet, sondern sie selber hervorbringen will. Für Alchemisten sind Leben und Tod nichts Absolutes, sondern im Prinzip machbar, also sowohl aufhebbar, wie miteinander vermischbar. Die Tötung als Mortifikation ist daher für Alchemisten kein Problem, weil sie davon ausgehen, dass das Getötete im Grossen Werk als höherer Schöpfung wiederaufersteht. Ja, ein solcher Tod muss als Privileg erscheinen (vgl. der Krieger in Walhalla, der Selbstmord-Attentäter im Jenseits).

Damit wird der Tod generell nicht mehr als Sphäre oder „Anderswelt“, sondern nur als Moment der Auslöschung des Lebens – bzw. des Eintritts in das „Grosse Werk“ der alchemistischen „Schöpfung“ – angesehen.

Stattdessen sollen beide, Leben und Tod, durch ihre definitorische Trennung und Abstraktion vom Prozess des Lebendigen oder der „Verbundenheit alles Seienden“ in die mortifizierende, also auflösende technisch-alchemistische Verfügbarkeit geraten. Leben-Machen und Tod-Machen sind die Ideale und in immer wieder neuen Varianten geübten Praktiken des Patriarchats, gerade im Krieg und in der Medizin (vgl. Bergmann 2004), die zur endlichen Überwindung der Naturordnung sogar auch in ihrer von sich aus seienden unsichtbaren „spirituellen“, geistig-seelischen Dimension führen sollen.

Demnach kommt der Tod vor der Geburt – ganz im Gegensatz zum Naturvorgang des „mater arché“, dem Anfang als dem des Lebens bei der Geburt.

Fiktive Trennungen herrschen im Patriarchat vor als die zwischen Leib bzw. Körper, Seele und Geist, insbesondere Materie und Geist, Leben und Tod, Diesseits und Jenseits, Gott und Welt, Schöpfer und Geschöpften, bevor sie in die alchemistische Verfügung der Zersetzung und Neuschaffung übergehen.

Dabei setzt gleichzeitig die alchemistische Überschreitung dieser künstlich geschaffenen Grenzen ein. Durch Mortifikation und Neu-Zusammensetzung soll das Höhere entstehen, und das hat dann angeblich auch wieder eine Geist-Seele. Wird die ihm während der Neu-Schöpfung mitgegeben?

Es werden innerhalb der Trennungs-Fiktion also die entsprechenden praktischen, technischen „Verbesserungen“ eingeleitet, etwa im Falle der klassisch alchemistischen Methode der Organtransplantation, die dabei aber keinerlei Rücksicht auf die ja in der Tat bestehende immaterielle Ebene nehmen zu müssen glaubt. Was bei dieser Art von verbrecherischer Alchemie im geistig-seelischen und damit zusammenhängend im leiblichen Bereich wirklich geschieht, kann unter diesen Voraussetzungen noch nicht einmal mehr gedacht werden. Gleichzeitig soll aber durch dieses Verfahren ein „besserer“, nun auch geistig-seelisch wieder gesunder Mensch entstehen, der dem drohenden Tod entkommen ist. Wie soll das möglich sein? In Wirklichkeit wurde stattdessen bei Organempfängern festgestellt, dass sie unter Kannibalismusphantasien und Schuldgefühlen gegenüber den Organspendern litten (Baureithel, Bergmann 1999)!

Es ist also nicht gelungen, die alte Geist-Seele durch eine neue zu ersetzen, sondern die vorhandene Geist-Seele ist bei dieser alchemistischen Prozedur durch die Hölle geschickt worden und schwer beschädigt daraus hervorgegangen.

Die Trennung von Leib/Materie und Geist/Seele ist also immer eine Fiktion, sei sie allgemein angenommen oder vorübergehend im alchemistischen Verfahren „hergestellt“. Eine „Verbesserung“ von Leib und Materie, ja von Geist und Seele, gar ihre „Ersetzung“ durch alchemistische Neu-Schöpfungen ist nichts als Hybris. Ein „besseres“ Leben als das existierende kann nicht erschaffen werden.

Das alchemistische Projekt ist auch und gerade heute wieder zum Scheitern verurteilt.

Was, schliesslich, geschieht mit den Empfindungen, insbesondere der „Liebe“, die eine so grosse Rolle im Transzendenzverhältnis spielt?

Das „Teile, Transformiere und Herrsche“ nimmt auch hierbei die Form der spaltenden Hierarchisierung und Dichotomisierung an. Diese entsprechen den übrigen Verhältnissen und sind deren Projektion ins Nichtmaterielle, wie auch die Gefilde der Gefühle. Wird der „Geist“ als das Höhere und Bessere im Vergleich zur „Materie“ als dem Niederen und Schlechteren definiert, so gibt es auch innerhalb des Geistigen eine Hierarchie. Das Ideal des „reinen Geistes“ ist der Geist ohne Materie. Das Ideal des alchemistisch geschaffenen Geistes ist die „beseelte“, „denkende“ Maschine. Sie soll das menschliche Denken, das den/die Herrn auch immer wieder verfluchte, weil es im Prinzip alles infrage stellen kann, überflüssig machen.

„Liebe“ ist daher hier ebenso wie im Geschlechter- und Generationenverhältnis immer programmatisch mit Trennungsgewalt und Machtausübung, also der systematischen Trennung von Denken, Fühlen und Handeln verbunden. Sie soll gerade nicht mehr, wie es normalerweise eigentlich der Fall ist, aus der „Verbundenheit alles Seienden“ kommen, zu der sie gehört und deren Ausdruck sie ist, sondern soll sich jenseits davon „nach oben“ richten, von wo zunächst vor allem Herrschaft, Zorn und Befehl zu erwarten sind, die ihrerseits selbst als Liebesbeweis gelten. Die Perversion wird damit begründet und als Normalität durchgesetzt. Von einer solchen „Liebe zum Herrn“ ist damit nur unter patriarchalen oder alchemistisch erzwungenen Voraussetzungen die Rede. Ansonsten lieben Mütter ihre Kinder und umgekehrt, und die Väter, falls sie sich wie normale Menschen benehmen, werden problemlos eingeschlossen. Jesus am Kreuz, der mortifizierte, in das Grosse Werk Gottes eingegangene und nach seiner Auferstehung „Stein“ gewordene, „bessere“ Mensch mit dem höheren, des Weiblich-Mütterlichen nicht mehr bedürfenden, ja ihn ersetzenden Leib, ist auf der letzten Stufe des alchemistischen Verfahrens nun nicht mehr mutter-, sondern gottgeschaffen. Er ist das mahnende Vorbild für den irdischen „besseren Menschen“, den hermaphroditschen Alchemisten, und die „2. Geburt“.

Die christlich-alchemistische Botschaft ist: Leiden ist gut. Als Folge der Mortifikation dient es einem guten Zweck, denn es ist die Voraussetzung für ein besseres Leben, Lieben und Leib-Sein im Sinne der angeblich existierenden spirituellen himmlischen Ober- und Jenseitswelt des Patriarchats.

Und falls dieses bessere Leben auf Erden stattfindet, möge es sich nicht mit dem Seienden, sondern mit der Maschine verbinden, denn sie ist definiert als der Garant für die Teilhabe an einem neuen Geist und einer neuen Seele, wie sie nun durch den alchemistischen Fortschritt auch auf Erden möglich werden sollen.

Frauen, gar ihre Art des Liebens, sind allerdings des Teufels, also gehören sie zur spirituellen Unterwelt des Patriarchats. Gut, dass sie demnächst nicht mehr Sex mit Männern haben müssen – und diese dabei durch ihre Liebe verwirren könnten – um Kinder zu bekommen, denn neben dem materiellen Körper stellen sich nun angeblich auch Geist und Seele über maschinell-alchemistische Verfahren in der „Reproduktion“ ein …

Warum sollten sie? Feministische Forscherinnen können nicht bestätigen, dass solche Methoden zu irgendwelchen Verbesserungen führen. Im Gegenteil, es kommt auf diese Weise viel eher zu einer Beschädigung des Lebens aller Beteiligten (Klein 2003).

Ein matriarchales Transzendenzverhältnis ist dagegen immer erd-spirituell und an der Realität des Wirkens von „Mutter Natur“ in seinen Dimensionen der „Verbundenheit alles Seienden“ orientiert, weil es mit ihr in Verbindung, in der von Natur aus seienden Liebe, ist und bleiben will. Eine Göttin im Jenseits ist hier ebenso überflüssig wie das Jenseits selbst. Das „All“ ist genauso anwesend wie gross, und die Toten als die Ahnen sind erreichbar, indem sie angerufen werden. Das gilt auch für den existierenden „Rest“. Die Ober- und Unterwelten sind keine Orte der Strafe und des „Niederen“ oder der Belohnung bzw. eines „Höheren“, sondern die Verbindungsachse zwischen allen Welten in ihrer Zusammengehörigkeit, ihren Zyklen und ihren Dimensionen. Hierauf wandelten die Schamaninnen wie auf einer Leiter …

Zurück zum Ausgangspunkt:

Wir hoffen, hiermit unseren durchgehend „anderen Blick“ auf die realen und ideologischen Verkehrungen und vor allem Gefahren des zerstörerischen, die Natur und alles Lebendige missbrauchenden und vergewaltigenden Weltgeschehens und seiner Ursprünge geworfen zu haben. Er entstand aus dem Zusammendenken von Patriarchat, Technikkritik und „Alchemie“ vor dem Hintergrund einer öko-feministischen Kapitalismuskritik sowie der heutigen Matriarchatsforschnung. Ohne diese drei und ihre enge Verbindung zu sehen, wäre es nicht möglich gewesen, über die bisher erreichte Modernekritik und eine eher deskriptive Technikkritik hinauszukommen. Genau das findet nämlich sonst nirgendwo statt, und wie wir sehen, hat das seine Gründe. Dazu gehört die angebliche und gefühlte Selbstverständlichkeit, ja „Natürlichkeit“ patriarchal-alchemistischen Denkens und Handels aufgrund seiner langen Geschichte. Etwas anderes scheint man und nachholend frau sich kaum mehr vorstellen zu können oder zu wollen, obwohl die Resultate angefangen haben, die Lebensbedingungen zu zerstören anstatt – wie behauptet – zu verbessern.

Dabei können wir aber nicht stehenbleiben. Denn es ist ein spiritueller Fehler per se, die Wahrnehmung dessen, was ist, zu verweigern, weil es alles Bisherige in seinen Dimensionen weit überschreitet und uns entsetzt und ratlos macht. „Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar“ (Ingeborg Bachmann). Sie ist ja von Menschen verursacht worden, kann also auch – und nur – durch sie wieder zurückgenommen werden.

Die Grenzen dieser „Zivilisation der Alchemisten“ – und bitte nicht AlchemistInnen sagen!! – sind erreicht, ja überschritten. Das zeigt sich am bereits stattfindenden Kollabieren einiger ihrer Teile und Teilsysteme. Es geht also darum herauszufinden, wie wir die laufende „Zerstörung per Verfahren“ zum Bewusstsein bringen und stoppen können. Wir brauchen nur damit anzufangen, dieses Verfahren nicht mehr anzuwenden. Wir hören auf, uns wie Patriarchen und Alchemisten zu benehmen …

Angesichts der allgemein betriebenen und als Fortschritt begrüssten Auflösung – „Mortifikation“ – aller wirklichen Besonderheiten, Gestalten, Bedeutungen, Erkenntnisse und Wahrheiten, die nur noch einen Brei von x-Beliebigkeiten, Vermischungen und Verwischungen übrig lässt, ist es allerdings fraglich, ob das so ohne weiteres möglich sein wird. Denn „der Geist weht, wo er will“ – in der heutigen Geistesverwirrung sicher nicht, und die Seele als unsere Brücke zur übrigen Natur hat in vielen Fällen vermutlich längst das Weite gesucht. Es muss daher erst einmal geklärt werden, wie die mentale, psychische, spirituelle und nicht zuletzt leiblich-seelische Kraft für einen derartigen „Aufbruch aus dem Patriarchat“ (Projektgruppe 2009) erlangt werden kann. Die heutige Gesellschaft wird dabei jedenfalls nicht helfen. Es geht nur über die „Natur“!


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* Leitartikel aus: Bumerang. Zeitschrift für Patriarchatskritik, Ausgabe 0, Februar 2015
Herausgegeben von FIPAZ – Forschungsinstitut für Patriarchatskritik und alternative Zivilisationen, Innsbruck.


Claudia von Werlhof, geb. 1943, ist emeritierte Professorin für Frauenforschung am Institut für Politikwissenschaft der Universität Innsbruck. 1984 habilitierte sie sich in Politikwissenschaft an der Universität Frankfurt mit einer Arbeit über Frauen- und Agrarfragen in der Dritten Welt. Zusammen mit Maria Mies und Veronika Bennholdt-Thomsen ist sie Begründerin des sogenannten Ökofeminismus. Sie ist Vorsitzende des Vereins «Forschungsinstitut für Patriarchatskritik und alternative Zivilisationen FIPAZ e.V.».

Essays
Feminismus, Ökologie
20. März 2015

One Comment

  1. Sehr interessant zu lesen! Einen Alchemie-Hermaphrodit, der den Text nett bebildern würde, gibt es z.B. hier: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Hermaphrodit.jpg. Ich denke, wir sollten uns alle mehr auf unsere Gemeinsamkeiten als auf Trennendes konzentrieren und den alchemistischen Hermaphroditen im Sinne C.G.Jungs als Archetyp der Vereinigung der/aller Gegensätze sehen, um irgendwann zum Ideal der platonischen Kugelmenschen zurückkehren zu können.

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